Japan

Japan kompakt: Zen und in der Dichte die Stille finden

Allein die Alltagsbeobachtungen in Tōkyō oder Kyōto sind schon spannend. So verfestigt sich zwischen Tempel-Besuchen und Schrein-Erkundungen die Erkenntnis: Auch bei näherer Betrachtung bleibt das Land schön exotisch.

„Where are you from?“, übt die Schülerin in Uniform und roter Kappe, steuert mutig auf uns zu und wiederholt den Satz. „Austria“ sagen wir für das Formular am Klemmbrett. „Do you like Japan?“, das ist die zweite Frage, die all die vielen Volksschulkinder hier an Fremdobjekten testen sollen. Eine rhetorische Frage hier in Nikkō, einer der herausragenden Kulturstätten auf der Hauptinsel Honshū. „Yes“, „awesome“, sagen wir, die gerade erst ein paar Stunden im Land und wenig später schon zwischen zinnoberrot lackierten Säulen, goldenen Dachsparren und feinsten Schnitzarbeiten gelandet sind. Wir ahnen, dass „awesome“ die richtige Antwort ist – bezogen auf das restliche Japan der nächsten Reisetage: Tōkyō, Kyōto, Nara, Ōsaka, es ist die klassische Kulturtour. Und es wird auch nicht der letzte Englisch-Test vor einem prächtigen buddhistischen Tempel, einem mächtigen Shintō-Schrein oder einer nepalesisch anmutenden Pagode sein. Japanische Höflichkeitsformeln müssen wir erst lernen (schwierig), sowie das Verbeugen und die Schuhe beim richtigen Anlass aus- und anzuziehen (einfacher). Die Germanistin Mitsu, die österreichische Gruppen besonders gern begleitet, wird auf der Fahrt zurück nach Tōkyō dann in bestem Deutsch und mit Humor in Sachen japanischen Alltag aufklären (exotisch bis originell): von „Golfwitwen“ (die Männer verbringen ihre Pension in der Driving Range) über das „Washlet“ (Hightechtoiletten machen Musik) bis zur „fahrenden Garage“ (im Stau hilft Zen).