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Badeschluss

Dianabad: Ballsaal, Hotel und Schwimmhalle

Wien 2, Dianabad
Das Dianabad im Jahr 1940.Rübelt, Lothar / ÖNB-Bildarchiv
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Im Oktober schließt das privat geführte Dianabad in der Leopoldstadt. Das heutige Erlebnisbad war seinerzeit die erste große Schwimmhalle Europas – die im Winter für Bälle und Konzerte genutzt wurde.

Wien. Fehlen wird es vor allem den Familien: Hunderte Babyschwimmkurse wurden hier abgehalten, tausende Kinde haben hier im Piratenschiff im Wasser gespielt oder die lange Reifenrutsche ausprobiert.
Keine Frage: Das Dianabad wird in der eher überschaubaren Wiener Halllenbadlandschaft fehlen. Die Betreiber – Raiffeisen und Uniqa – schließen es im kommenden Oktober und erfüllen damit die Auflage der Stadt, die die Errichtung des (neuen) Dianabads mit damals 200 Millionen Schilling (14,5 Mio. Euro) unterstützte – unter der Bedingung, dass der Badebetrieb 20 Jahre gewährleistet ist.

Auch aus historischer Sicht ist es um das Hallenbad in der Leopoldstadt schade – war es doch im 19. Jahrhundert eines der modernsten Hallenbäder Europas: Nach französischem Vorbild wurde es 1810 – nicht am heutigen Standort, sondern einige Meter weiter an der Oberen Donaustraße 93 bis 95 – als „Wannenbadeanstalt“ eröffnet. Nach Geschlecht getrennt, konnten hier Männer und Frauen in Badewannen aus Zink in erwärmtem Wasser (aus dem Donaukanal) baden.
Zum Vorzeigebad wurde das Dianabad dann, als es ab 1841 zu einem „Voll- und Schwimmbad“ wurde und die erste überdachte Schwimmhalle Europas bekam – und damit, gemeinsam mit dem 1838 eröffneten Sophienbad, zu einem Vorreiter der heutigen Hallenbäder wurde: Es gab Ruheräume, Freibereiche – und eben eine große Schwimmhalle, das Becken war 36 Meter lang und dreizehn Meter breit. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Warmbadeanstalten in Wien.

Leistbar war der Besuch des Dianabads damals nur für die wohlhabenderen Schichten. Aber auch im 19. Jahrhundert plagte das Dianabad ein Problem, das so gut wie alle Hallenbäder bis heute haben: Wirtschaftlich ließ sich der Badebetrieb ausgerechnet im Winter nicht führen – die Heizkosten für Badewasser und Halle waren zu hoch. In der Folge wurde das Schwimmbecken in der kalten Jahreszeit abgedeckt und die große Halle zu einem Konzert- und Ballsaal (dem „Dianasaal“) umfunktioniert, 1860 fand hier der erste Ball statt, Josef Strauß eröffnete ihn mit der „Dianapolka“.

Einige Jahre lang war das Dianabad Schauplatz zahlreicher Konzerte und Bälle, ab den 1890ern bekam das Bad eine Dampfheizung, mit der schließlich auch im Winter der Betrieb als Hallenbad möglich war.

Getrennte Becken

Nach einem Besitzerwechsel wurde das alte Dianabad abgerissen und 1917, mitten im Ersten Weltkrieg, neu eröffnet: Zum Komplex gehörte nun auch ein Hotel, ein Restaurant, das Bad selbst hatte zwei Schwimmhallen – eine für Männer, eine für Frauen: Anders als in manchen der städtischen (und günstigeren) Volksbäder, die vor allem auch aus hygienischen und gesundheitlichen Motiven eröffneten, behielt man im Dianabad die Geschlechtertrennung noch weiter aufrecht.
Durch einen Bombeneinschlag und Brand im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, entschloss man sich nach Kriegsende zum Abriss. Erst 1974 wurde das Dianabad sozusagen zum dritten Mal am heutigen Standort in der Lilienbrunngasse mit Sauna und mehreren Becken eröffnet. Ab 1996 gab es am Standort kein Bad. 2000 eröffnete das Dianabad in seiner heutigen Form wieder, die nun bald Geschichte ist.