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Randerscheinung

Noch ein ganzes Semester Kindheit

(c) Carolina Frank
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Ende der Volksschule beginnt sich alles beschleunigt zu verändern.

Seit Schuljahresbeginn fährt der Jüngste ja mit dem Schulbus zur Schule. Und das ist außer ausgesprochen vernünftig, weil Elternautos in größeren Mengen vor Schulen nur für Chaos und Unfallgefahr sorgen, auch ziemlich praktisch, weil ich dadurch eine halbe Stunde in der Früh gewinne, die die ganze Stunde, die ich durch den Hund in der Früh verliere, zumindest zum Teil wieder aufwiegt. Das ist aber auch ein wenig traurig, weil der gemeinsame Weg in die Schule ein fixes Ritual war, das so ganz einfach wegfällt. So wie auch das Vorlesen am Abend im Bett immer öfter von „Kann ich noch unten sein, aufbleiben, iPad spielen" etc. abgelöst wird. Ich kenne das ja schon von den beiden Großen, gegen Ende der Volksschule beginnt sich alles beschleunigt zu verändern. Da geht die so stabile und feine Phase seit der Umstellung vom Kindergarten auf die Volksschule merklich zu Ende. Der Jüngste wirkt auf dem Schulhof vor Sandkiste und Erstklasslern auf einmal wie in der Skihose vom Vorjahr: Passt nicht mehr so recht. Dazu kommt noch, dass er gerade mehr und mehr vom Nachzügler zum Einzelkind wird. Die beiden Großen kommen ganz regelmäßig nach Hause, aber es fühlt sich immer mehr wie auf Besuch Kommen an. Damit bleibt es die Aufgabe des Einzelhundes, für genügend Restchaos zu sorgen (er erfüllt diese Aufgabe mit großer Hingabe und Erfolg), um die Konstellation Mutter-Vater-Kind für den Buben nicht zu langweilig werden zu lassen. Die Einschreibung für das Gymnasium ist nächste Woche, wer von den Freunden in die gleiche Klasse kommt, wissen wir im Sommer. Bis dahin gibt es noch ein ganzes Semester Kindheit wie bisher. Gut möglich, dass im Schulbus öfter einmal ein Platz frei bleiben wird. Ich werde auch nicht direkt vor der Schule stehenbleiben.

("Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 31.01.2020)