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Die OMV bastelt am Öko-Image

„Erdgas wird in der Energiewende unbedingt notwendig sein“, sagt Rainer Seele.
„Erdgas wird in der Energiewende unbedingt notwendig sein“, sagt Rainer Seele.(c) APA/GEORG HOCHMUTH
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Der teilstaatliche Konzern redet neuerdings auffällig gern über Klimaschutz und saubere Energie. Seine Milliarden verdient das Unternehmen freilich weiter mit Öl und Gas.

Wien. Man muss mit der Zeit gehen. Diese Botschaft ist in der Chefetage des Öl- und Gaskonzerns OMV inzwischen angekommen – zumindest aber in der Medienabteilung des teilstaatlichen Unternehmens. Am Donnerstag präsentierte die OMV ihre Bilanz für 2019. Die Zahlen sehen gut aus, wie zumeist in den letzten Jahren (siehe Kasten). So weit nichts Neues also. Und doch war an diesem Tag (fast) alles anders als bisher.

Tankstellen, Spritpreise, große Ölfunde. Kein Wort fiel über die Lieblingsthemen der vergangenen Jahre. Stattdessen widmete sich das Management in aller Ausführlichkeit den Trendthemen Klimaschutz und CO2. „Der Klimawandel prägt nicht nur die öffentliche Debatte, er entscheidet auch Wahlen und gibt die politische Richtung vor“, sagte OMV-Chef Rainer Seele angesichts der ersten türkis-grünen Regierung im Land. „Die OMV beschäftigt sich schon seit Langem mit der Frage, welchen Beitrag wir zu einer kohlenstoffärmeren Zukunft leisten können.“

Mit der neu gegründeten Einheit „New Energy Solutions“ will die OMV nun grüne Geschäftsmodelle erproben, Solarparks bauen, Plastik zu Rohöl recyceln und Wasserstoffprojekte vorantreiben. Das war nicht immer so.

 

2,1 Milliarden Euro Gewinn

Nach seinem Amtsantritt im Jahr 2015 stampfte Rainer Seele die damalige Erneuerbaren-Sparte im Konzern noch ein. Der Fokus galt anfänglich zu hundert Prozent dem Ausbau des klassischen Öl- und Gasgeschäfts. Erst vor wenigen Monaten änderte das Unternehmen seinen Kurs leicht. Mit der Beteiligung an Adnoc in Abu Dhabi wurde die Petrochemie-Sparte stark aufgewertet: Das kostbare Erdöl soll nicht billig verbrannt, sondern zu teureren Kunststoffen weiterverarbeitet werden.

Der von den Grünen vor der Wahl geforderte Wandel von einem der größten heimischen CO2-Emittenten zum grünen Riesen steht dennoch nicht ernsthaft auf der Agenda. Denn seine Milliarden verdient die OMV immer noch mit dem Fördern und Verkaufen von Erdöl und Erdgas. 487.000 Fass Öläquivalent (vornehmlich Erdgas) hat das Unternehmen 2019 im Schnitt jeden Tag aus der Erde geholt. Startet die Produktion in Libyen bald wieder, sollen es heuer weit über 500.000 Fass am Tag sein. 2019 erzielte die OMV damit einen Nettogewinn von 2,1 Milliarden Euro. Zwei Euro je Aktie gehen als Dividende an die Eigentümer.

Für dieses Geschäft findet die OMV in der grünen Nische bisher keinen adäquaten Ersatz. Hoffnung setzt das Unternehmen etwa auf die Speicherung von Kohlendioxid unter der Erde (CCS). Der Konzern arbeitet daran, CO2 im Marchfeld und im Wiener Becken in 3000 Metern Tiefe zu lagern. Norwegen entzieht der Atmosphäre so jedes Jahr bereits eine Million Tonnen des Treibhausgases. In Österreich ist das bisher verboten. Und: Die Sache rechnet sich nicht. Die Kosten für die Lagerung von CO2 sind derzeit zwei bis vier Mal so hoch wie der CO2-Preis.

 

„EU kann uns nicht schützen“

Auf absehbare Zeit bleiben Öl und Gas daher die spielentscheidenden Themen für die OMV. Das spiegelt sich auch in den geplanten Investitionen wider. 2,4 Milliarden Euro sind allein für heuer geplant. Die grünen Geschäftsfelder bekommen davon nur einen Bruchteil. Bis 2025 soll eine halbe Milliarde Euro in die „Zukunftssparte“ fließen. Das ist halb so viel, wie die OMV für die umstrittene Gas-Pipeline Nord Stream 2 bezahlen wird. Nach den Sanktionen der USA steht der Bau der russisch-europäischen Gasleitung still. Europa sei nicht in der Lage, seine Wirtschaft zu schützen, wetterte Rainer Seele.

Viel Geld hat auch das Neptun-Projekt in Rumänien verschlungen. 1,36 Milliarden Euro hat die OMV bisher in die geplante Erschließung neuer Gaslagerstätten im Schwarzen Meer investiert. Doch Rumänien liefert keinen klaren rechtlichen Rahmen, um die finale Investitionsentscheidung zu ermöglichen. Der Hälfte-Partner Exxon ist bereits abgesprungen. Entscheidet sich auch die OMV gegen das Projekt, müssten die knapp 1,4 Mrd. Euro abgeschrieben werden.

Für den Konzernchef steht der starke Fokus auf Erdgas nicht im Widerspruch zum neu entdeckten grünen Herz der OMV. Ganz im Gegenteil, sagt er: Nichts würde die CO2-Emissionen schneller senken als mehr Gas im Tank und in den Kraftwerken.

OMV-Bilanz 2019

Niedrigere Öl- und Gaspreise haben der OMV im vierten Quartal zu schaffen gemacht. Im Gesamtjahr konnte das Unternehmen nach Abzug der Steuern einen Nettogewinn von 2,15 Mrd. Euro erzielen. Das sind acht Prozent mehr als im Vorjahr. Das operative Ergebnis sank auf 3,5 Mrd. Euro. Das Ergebnis je Aktie stieg auf 5,14 Euro, zwei Euro davon werden an die Aktionäre ausgeschüttet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2020)