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Telekom Austria: Mehr Gewinn und weniger Beamte

Der Gewinn stieg 2019 um ein Drittel.
Der Gewinn stieg 2019 um ein Drittel.(c) Clemens Fabry
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Der Gewinn stieg 2019 um ein Drittel. Heuer dürfte dieses Kunststück nicht glücken.

Wien. Geben ist seliger denn Nehmen. Und Österreichs größter Mobilfunkanbieter, A1 (Telekom Austria), gibt reichlich. Den Aktionären, vorrangig den beiden Mehrheitseigentümern America Movíl und der Republik Österreich, gibt das Unternehmen eine erhöhte Dividende von 23 statt 21 Cent je Aktie. Abschiedswilligen Beamten gibt der Telekombetreiber stattliche Golden Handshakes. Im Vorjahr hat sich der „sozial verträgliche Mitarbeiterabbau“ immerhin mit 84 Millionen Euro in der Bilanz niedergeschlagen.

In den kommenden drei Jahren sollen noch 1200 weitere Mitarbeiter in Österreich den Konzern verlassen. Ab 55 Jahren können sie mit rund der Hälfte ihres Letztgehalts ausscheiden. Im Vorjahr sei die Zahl der Mitarbeiter in Österreich dadurch „im besten Einvernehmen mit den Belegschaftsvertretern“ um gut 300 Personen oder 4,6 Prozent gesunken, sagt Telekom-Austria-Chef Thomas Arnoldner zur „Presse“. „Und wir werden mit dem Mitarbeiterabbau in diesem Tempo fortfahren.“

Damit sind aber weitere Konflikte mit dem Betriebsrat programmiert. Schon die Erhöhung der Dividende gab den Personalvertretern Anlass zu herber Kritik: Die „massiven Einschnitte in der Belegschaft“ würden dem Unternehmen just vor dem Ausbau des 5G-Netzes einen Technikermangel bescheren, warnten sie. Die Konzernführung sieht das anders: Gerade der Mitarbeiterabbau sei „der technischen Entwicklung geschuldet“. Die Jobs änderten sich – und damit auch die Anforderungen an die Belegschaft.

 

Starkes Wachstum im Osten

Am Druck, den vergleichsweise hohen Mitarbeiterstand zu verringern, ändert auch das gute Finanzergebnis des Vorjahres nichts: Der Nettogewinn sprang um 34,4 Prozent auf 327,4 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 2,9 Prozent auf 4,56 Milliarden Euro, das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) um 4,1 Prozent. „Wir wachsen auf allen Märkten und in allen Segmenten“, freut sich Arnoldner.

Doch wiederholen kann er diese starke Entwicklung im heurigen Jahr nicht. Das satte Plus resultiert nämlich nur zum Teil aus dem stärkeren Wachstum in den osteuropäischen Märkten. Ebenso entscheidend ist das schwache Ergebnis von 2018, das hohen Markenwertabschreibungen geschuldet war. Zudem spielte der Telekom 2019 die Aufwertung des weißrussischen Rubels in die Hände. Auch das dürfte heuer noch einmal passieren. Das Unternehmen rechnet stattdessen mit einer Wertminderung beim Rubel von fünf Prozent. In Summe werde sich das Umsatzwachstum auf ein bis zwei Prozent verlangsamen, so die Prognose.

 

5G-Auktion im Frühjahr

Während in Osteuropa oft schon die hohe Inflation zu Gewinnsteigerungen verhilft, ist die Situation auf dem Heimmarkt Österreich schwieriger. Der Wettbewerb sei hierzulande „sehr intensiv“ – und daran werde sich aus Sicht des Unternehmens auch nichts ändern. Mit der Fusion von T-Mobile und UPC zu Magenta ist dem Platzhirschen im Vorjahr ein ernst zu nehmender Konkurrent erwachsen. Die Telekom habe diese Integration zum „Vollanbieter“ mit Mobilfunk, Festnetz, TV und Breitbandinternet aber schon vor Jahren hinter sich gebracht, beruhigt Arnoldner. Man sei also „gut gerüstet“.

Die geplanten Investitionen für 2020 liegen unverändert bei 770 Millionen Euro. Nicht eingerechnet sind allerdings die Kosten für die im Frühjahr geplante Auktion der 5G-Frequenzen. Spätestens da werden die Geberqualitäten der Telekom wieder gefragt sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2020)