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Kunst und Moral

#MeToo kämpft in Paris gegen Polanskis Sieg

Schon vor dem Filmstart im November gab es Protestkundgebungen (wie hier) – auch für den morgigen Freitag in Paris werden große Demos erwartet.
Schon vor dem Filmstart im November gab es Protestkundgebungen (wie hier) – auch für diesen Freitag in Paris werden große Demos erwartet.APA/AFP/CHRISTOPHE ARCHAMBAULT
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Triumphiert der Film „J'accuse“ des erneut der Vergewaltigung beschuldigten Roman Polański am Freitag? Der Filmpreis César ist zum erbitterten Kampfplatz geworden, zum Testfall für den nationalen Umgang mit #MeToo.

„J'accuse“ ist ein fabelhafter Film über die Dreyfus-Affäre. Dass er ein würdiger Favorit für Frankreichs wichtigsten Filmpreis ist, würde wohl niemand bestreiten. – Wäre da nicht die Person des Regisseurs: Im Streit um den polnisch-französischen Filmemacher Roman Polański ist die Verleihung der Césars am Freitag in Paris zum Kampfplatz geworden: Wird Polańskis zwölffach nominierter Film siegen oder nicht?

Die Entscheidung kommt keine vier Monate nach einem neuen Vergewaltigungsvorwurf. Am 8. November vorigen Jahres, fünf Tage, bevor „J'accuse“ in die französischen Kinos kam, hatte die Fotografin Valentine Monnier in einem Interview gesagt, sie sei 1975, im Alter von 18 Jahren, in dessen Schweizer Chalet von Polański geschlagen und vergewaltigt worden. Damit sind es mittlerweile zehn Frauen, fünf davon anonym, die Polański beschuldigen, sie zwischen 1972 und 1983 vergewaltigt zu haben. Wegen Vergewaltigung der damals 13-jährigen Samantha Geimer 1977 wird Polański bis heute von Interpol verfolgt; er kann sich nur in seinem Heimatland Polen, in Frankreich und der Schweiz frei bewegen.