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Australien

Immunabwehr des Körpers auf Coronavirus ermittelt

Die Medizin hat offenbar Fortschritte gemachtimago images/Christian Ohde
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An der Universität Melbourne könnte ein großer Schritt hin zur Entwicklung von Impfstoffen und Anti-Viren-Medikamenten gelungen sein. Die Immunabwehr geht gegen das neue Virus genauso vor wie gegen Influenza. Man will auch erkennen können, bei wem die Infektion sehr gefährlich verlaufen wird, und bei wem nicht.

Australischen Forschern ist nach eigenen Angaben ein ganz wesentlicher Schritt im Kampf gegen Covid-19 gelungen: Es ist offenbar gelungen, an einer Patientin, die das Virus überlebt hatte, zu studieren und nachzuvollziehen, wie genau das Immunsystem die Viren bekämpft hat. Das ist zugleich ein Schlüsselmoment bei der Entwicklung von Impfstoffen und virenhemmenden Medikamenten (Virostatika).

Die guten Nachrichten kamen am Dienstag aus dem Peter-Doherty-Institut für Immunologie und Infektionskrankheiten an der Universität Melbourne (Staat Victoria). Sie wurden auch im Fachmagazin „Nature Medicine" publiziert. Man hatte die Blutproben einer australischen Staatsbürgerin Mitte 40, die im ursprünglichen Virenherd Wuhan in China gewesen und nach Australien ausgeflogen worden war, untersucht. Die Frau war mit Symptomen wie Lethargie, Halsweh, trockenem Husten und Fieber in ein Spital in Melbourne eingeliefert worden.

Die Ärzte nahmen vor und nach ihrer Genesung vier Blutproben. Bereits nach drei Tagen entdeckten sie erste Immunzellen im Blut.

Nun hieß es, dass das Abwehrprogramm des Körpers auf das neue Coronavirus gleich reagiert habe wie auf die üblichen Formen der Grippe (Influenza). Man habe zudem auch Hinweise, wieso das Virus bei bestimmten Personengruppen zu überaus schweren Schäden an der Lunge führe, hieß es. Näheres dazu wurde nicht bekanntgegeben.

„Gleiche Immunzellen wie bei Influenza"

Professor Katherine Kedzierska, eine führende Forscherin im Rahmen der Studie, sagte: „Die Immunzellen, die wir beobachtet haben, bevor sich die Patienten erholen, sind die gleichen Zellen, die wir bei Influenza sehen". Man werde mit den nun angewandten Methoden auch herausfinden, was die Abwehrdefizite sind, die zum Tode führen. Und man will anhand von Markern im Blut, die auf Entzündungen hindeuten, erkennen können, ob ein Patient schwere Symptome entwickeln dürfte oder nicht. Dann könne man im Voraus absehbar leichtere Fälle - letztlich die überwiegende Mehrheit - behandlungsmäßig ausscheiden und sich auf die absehbaren Härtefälle konzentrieren, sagte die Medizinerin Carolien van de Sandt, die ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Professor Katherine Kedzierska, Chefin des Humane-T-Zellen-Labors an der Uni MelbourneUniversity of Melbourne

Im Zuge der Beobachtung der Patientin und der zeitgleichen Bluttests habe man übrigens den Tag exakt vorhergesagt, an dem die Viren in der Frau verschwunden sein würden und sie als geheilt gelten könne.

Australiens Gesundheitsminister Greg Hunt nannte die Erkenntnisse „Weltspitze" und richtungsweisend bei Vorbeugung und Therapie. Man könne damit jetzt sehr schnell aus dem Reigen von Impfstoffen und Virostatika jene ausscheiden, die nicht taugten.

Erste taugliche Anti-Viren-Medikamente zeichnen sich ab

Auch erste Medikamente scheinen übrigens Wirkung zu zeigen. David Paterson (Universität Queensland) hat gute Erfolge mit zwei Medikamenten gemeldet, die bereits existieren. Dabei gehe es um ein älteres Medikament gegen HIV, das an sich durch modernere Stoffe schon abgelöst worden ist, sowie um das altbekannte Malaria-Medikament Chloroquin, das gut verträglich ist. Diese Medikamente also hätten die Viren in Reagenzgläsern ausgelöscht - und auch im Blut von erkrankten Testpersonen.

Paterson bemüht sich nun um eine große klinische Studie in ganz Australien. Verlässliche Ergebnisse, so sagt er, würden aber erst in bis zu drei Monaten vorliegen.

(Reuters/Wolfgang Greber)