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Raiffeisen rechnet mit schwerer Rezession

RBI-Chef Johannes StroblDie Presse/Fabry
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Die Raiffeisen Bank International rechnet mit BIP-Rückgängen in der Eurozone und den CEE-Märkten von bis zu sechs Prozent als Folge der Coronakrise. Das wird das Kreditgeschäft bremsen.

Der derzeitige wirtschaftliche Stillstand wegen der Ausbreitung des Coronavirus trifft auch die Banken. Sie werden mit mehr Kreditausfällen konfrontiert werden. Die börsenotierte Raiffeisen Bank International (RBI) hat am Mittwoch ihre ursprünglichen Prognosen für das Kreditwachstum 2020 zurückgenommen. Für notleidende Kredite muss mehr Geld zurückgelegt werden.

"Wir sind fundamental auch für widrige Zeiten gut aufgestellt", versichert RBI-Chef Johann Strobl im heute vorgelegten Geschäftsbericht.

Die Bank geht infolge der Einschränkungen des alltäglichen und wirtschaftlichen Lebens von einer schweren Rezession in der Eurozone aus (Annahme eines BIP-Rückgangs für 2020: 4 Prozent) mit negativen Folgewirkungen auf die Märkte der RBI. In ihren Märkten fürchtet die RBI einen BIP-Einbruch um bis zu 6 Prozent.

"Wir reduzieren unsere Erwartungen für das Kreditwachstum im Jahr 2020", schrieb die Raiffeisen Bank International Mittwochfrüh. Die Neubildungsquote dürfte aus aktueller Sicht im Jahr 2020 auf 50 bis 75 Basispunkte steigen, das hänge von Dauer und Ausmaß des wirtschaftlichen Einbruchs ab. Zur für 2020 erwarteten Profitabilität gibt es vorerst noch keine Angaben, hier wird evaluiert. Am Vormittag wird sich der Vorstand in einer Telefonkonferenz äußern. Das Mittelfristziel für das Kapital gilt weiter: Das Ziel einer Kernkapitalquote (CET1 Ratio) von rund 13 Prozent wurde bestätigt.

Die Ergebnisse für 2019 hatte die Bank bereits auf vorläufiger Basis bekanntgegeben, sie blieben im endgültigen Abschluss im Wesentlichen unverändert. Die Dividende wird von 93 Cent auf einen Euro leicht angehoben. Der Konzerngewinn sank um 3,4 Prozent auf 1,227 Milliarden Euro.

„Wie in der Finanzkrise"

Das Herunterfahren der Wirtschaft praktisch überall in der Welt wird die Wirtschaft massiv beeinträchtigen. Über das Jahr sei mit einer Rezession wie in der Finanzkrise von 2009 zu rechnen, also mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung der Eurozone um 4 Prozent, in Österreich um 4,5 Prozent, sagte Chefanalyst Peter Brezinschek am Mittwoch zur APA.

Für das Defizit geht die RBI davon aus, dass "die Kriterien von Maastricht überschritten werden", dass die Neuverschuldung also über drei Prozent der Wirtschaftsleistung liegt. Im Wesentlichen werde das für alle Euroländer gelten.

2021 sollte aber eine Erholung ("rebound") folgen, die Wirtschaft der Eurozone sollte um 3,2 Prozent zulegen, jene Österreichs um 4,0 Prozent, so die Einschätzung der RBI. Das sei aber nicht auf Basis der "Modelle der Vergangenheit" gerechnet, da die aktuelle Situation weder mit der Finanzkrise von 2008 noch mit der Eurokrise zu vergleichen sei, hob Brezinschek hervor. Diesmal handle es sich um einen Angebotsschock.

Alleine im zweiten Quartal 2020 werde der Rückgang der Wirtschaft aber mit über 7 Prozent (im Vergleich zum Vorquartal) gut doppelt so heftig ausfallen wie im ersten Quartal 2009, dem Höhepunkt der Finanzkrise, mit damals minus 3,2 Prozent. Aber die RBI geht davon aus, dass diesmal die Wirtschaft nur zwei Quartale schrumpft, ab dem 3. Quartal 2020 wieder eine Erholung einsetzt und diese dann im vierten Quartal voll durchschlägt. Die Finanzkrise hatte hingegen fünf Quartale gedauert.

Zuletzt war die RBI nur von einer "Konjunkturdelle" mit einem Wirtschaftswachstum von 0,1 bis 0,3 Prozent ausgegangen. Aber "die Situation ist in den letzten 14 Tagen eskaliert", so Brezinschek, daher sehe die Welt nun ganz anders aus.

Grundsätzlich geht die RBI davon aus, dass die Infektionen mit Covid-19 in Europa ähnlich wie in China verlaufen, wobei aber in China angesichts der drastischen Maßnahmen die kritische Phase zwei Monate dauerte, in Europa wohl eher vier Monate. Die Überlegungen gehen davon aus, dass "Sekundäreffekte", also das Zurückschwappen der Infektion nach der Eindämmung, verhindert werden können.

Für Italien befürchtet Brezinschek heuer eine Rezession von 5,8 Prozent, die Erholung 2021 dürfte dann auch nicht so hoch ausfallen wie in Deutschland oder Österreich. Auch für Osteuropa erwartet die RBI heuer starke Rückschläge, in Tschechien oder der Slowakei über 5 Prozent minus, die Erholung sollte aber auch stark ausfallen.

Aus Sicht der Konsumenten erfreulich, wenn auch aus Sicht der EZB problematisch, ist der erwartete Rückgang der Inflation auf 0,6 Prozent heuer und 1,5 bis 1,6 Prozent 2021.

 

 

 

(APA)