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Theorie

Warum Deutschland weniger Corona-Tote hat

In Deutschland wird viel getestet.
In Deutschland wird viel getestet.APA/dpa/Sven Hoppe
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Die Bundesrepublik kam bisher besser durch die Krise als andere. Das könnte auch an der hohen Testzahl liegen, vermutet ein Virologe.

Berlin. Die deutsche Krisen-PR taugte bisher kaum als Vorbild. Weil sich Bundesländer öffentlich über die richtige Dosis an Alltagsbeschränkungen gestritten und damit Verwirrung gestiftet haben. Und weil Deutschland zögerlicher das öffentliche Leben heruntergefahren hat als Nachbarstaaten.

Und doch sind die Deutschen bisher besser durch die Krise gekommen als andere. Zwei Dinge fallen auf: Erstens zählt Deutschland relativ weniger gemeldete Covid-19-Fälle als zum Beispiel Österreich. Donnerstagnachmittag gab es laut Johns-Hopkins-Universität rund 40.000 Covid-19-Fälle in der Bundesrepublik und rund 6000 im zehnmal kleineren Österreich.

Noch größer ist die Kluft, wenn man die Zahl der Covid-19-Todesopfer in Deutschland mit jenen in anderen großen EU-Staaten vergleicht. Stand Donnerstagnachmittag gab es in Deutschland 229 Tote, in Frankreich aber 1333, und das, obwohl es in Deutschland 15.000 gemeldete Fälle mehr gibt. Woran liegt das? Christian Drosten, Chefvirologe an der Berliner Charité und Regierungsberater, hat eine Theorie: „Der Grund, warum wir im Moment so wenige Todesfälle gegenüber der Zahl der Infizierten haben, ist hinreichend damit zu erklären, dass wir extrem viel Labordiagnostik machen.“ Die Zahl der Tests zählte zu den großen Geheimnissen, weil die Zahlen lokaler Behörden nirgends zusammenlaufen. Drosten schätzt nun, dass zuletzt pro Woche 500.000 sogenannte PCR-Tests durchgeführt wurden. 

Die Opferzahlen sind eine Momentaufnahme. Und Ausgangsbeschränkungen wirken zeitverzögert. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gab keine Entwarnung. Er sprach von der „Ruhe vor dem Sturm“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2020)