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Berechnungen

Grazer Forscher: Coronavirus reproduziert sich aktuell nicht mehr so stark

Symbolbild(c) Getty Images (Emanuele Cremaschi)
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Seit 12. März ist die effektive Reproduktionsrate des Virus kontinuierlich gesunken, zeigen Berechnungen. Ein Infizierter steckt heute im Durchschnitt nur noch 1,14 Menschen an.

Ein positives Bild der Entwicklung rund um den Covid-19-Ausbruch in Österreich gibt eine neue Studie der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) und der TU Graz: Demnach ist die effektive Reproduktionsrate des Coronavirus seit 12. März kontinuierlich gesunken. Aktuell liegt die Steigerungsrate der Fallzahlen bei Null.

"Diese Analyse basiert auf den Daten der in das österreichische Epidemiologische Meldesystem (EMS) eingepflegten, neu aufgetretenen (inzidenten) Covid-19-Fälle. Relevante Falldaten wurden von der Abteilung Infektionsepidemiologie und Surveillance der Ages bei den zuständigen Behörden erhoben und im EMS komplettiert. Die Auswertung wurde mit Daten zum Stand 3. April 2020 (15.20 Uhr) durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt waren 11.419 Covid-19-Fälle gemeldet", schreiben die Experten um Lukas Richter und Daniela Schmid in der Arbeit zu "Epidemiologischen Parametern" von Covid-19.

Die Hauptaussagen: "Das hier angewendete Modell liefert eine geschätzte tägliche Steigerungsrate von Null Prozent für den Zeitraum von 20. März bis 1. April. Aufgrund der Schwankungen der inzidenten (auftretenden; Anm.) Fälle innerhalb dieser Periode mit Fallzahlgipfel am 26. und 30. März gilt es abzuwarten, ob in den weiteren Tagen das tägliche Auftreten neuer Fälle ein Plateau einnimmt oder rückläufig ist. Die geschätzte tägliche effektive Reproduktionszahl und Steigerungsrate über die Zeit zeigen seit 12. März jedenfalls einen rückläufigen Trend."

Reproduktionsrate seit 12. März kontinuierlich gesunken

Aus der grafischen Darstellung geht hervor, dass am 12. März in Österreich die effektive Reproduktionsrate des Virus noch ziemlich exakt zwischen 3,5 und 4,0 lag, dann aber ständig abnahm. Um den 23. März betrug sie nur noch 2. Das bedeutet, dass zur stärksten Zeit der Virusverbreitung eine angesteckte Person statistisch mehr als 3,5 weitere Menschen infizierte, dann entsprechend weniger. Die effektive Reproduktionszahl des Virus betrug laut den Berechnungen am 1. April nur noch 1,14. Für die Überwindung der Covid-19-Pandemie wäre eine Verringerung der Reproduktionszahl auf unter 1 notwendig. Das gilt für Österreich auch für die national effektive Reproduktionszahl.

Die Kurve der geschätzten täglichen Steigerungsrate der positiven SARS-CoV-2-Befunde zeigte in Österreich eine ähnliche Entwicklung wie jene der Reproduktionszahl. Sie fiel ebenso seit 12. März ständig: von knapp 40 Prozent an diesem Tag auf rund 20 Prozent am 22. März und Null Prozent am 1. April.

Dennoch Maßnahmen weiterhin einhalten

Die Entwicklung könnte sich auch bereits in der Zahl der hospitalisierten Covid-19-Patienten darstellen: Laut Angaben der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) hat sich bei ihrer Zahl möglicherweise bereits erstmals ein Plateau ergeben. Laut den Experten, zum Beispiel dem Past President der Fachgesellschaft, Rudolf Likar, müssten die Österreicher trotzdem bei der Einschränkung der Sozialkontakte bleiben: "Auch wenn es jetzt schön ist, und die Verlockung groß, über Ostern rauszugehen und Freunde zu treffen: Jetzt müssen wir unbedingt noch durchhalten mit den Eindämmungsmaßnahmen."

(APA)