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Interview

„Unterricht soll in kleiner Dosis stattfinden“

Bildungswissenschafter Manfred Prenzel
Bildungswissenschafter Manfred PrenzelAxel Griesch / laif / picturedesk.com
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Wer die Schulen als Letztes hochfahren will, verkennt deren Bedeutung, sagt Bildungswissenschafter Manfred Prenzel. Er spricht sich für ein Unterrichtsangebot im Sommer aus. Mit Normalbetrieb im Herbst rechnet er noch nicht.

Die Presse: Die Leopoldina, also die Nationale Akademie der Wissenschaften in Deutschland hat gerade unter Ihrer Beteiligung ein viel beachtetes Papier zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise vorgelegt. Dabei wird empfohlen, die Schulen „sobald wie irgend möglich“ wiederzueröffnen. Was bedeutet das?

Manfred Prenzel: Man muss aufpassen bei diesem Text. „Sobald wie irgend möglich“ heißt nicht morgen oder nächste Woche. Man soll nicht blind die Schulen öffnen.


Aber?

Ich würde mir eine Rückkehr noch in diesem Schuljahr wünschen. Natürlich abhängig von den Infektionszahlen. Aber klarerweise ist das eine politische Entscheidung. Die Wiedereröffnung der Schulen wäre für die Lebensqualität der Kinder wichtig. Die Schule bietet ein Stück Orientierung in einer schwierigen Zeit. Die Schüler sollen außerdem nicht den Anschluss an ihr Wissen verlieren. Wer also Signale aussendet, den Bildungsbereich als Letztes wieder hochzufahren, der verkennt die Bedeutung des Bildungsbereichs für das gesamte gesellschaftliche System.


In Österreich scheint genau das der Plan zu sein.

Bisher hat mir der Umgang mit der Krise in Österreich gut gefallen. In den Schulen gab es viele Lehrer, die sich den Kopf zerbrochen haben, wie der Distanzunterricht funktionieren kann. Aber natürlich muss man sehen: Die Unterschiede zwischen den Schulen, zwischen den Lehrern und zwischen den Elternhäusern sind groß.


Und deshalb sollten die Schulen wieder öffnen?