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Feier zum "Tag des Sieges"

Verschobene Parade ist eine Niederlage für Putin

Putin
Das Verschieben des Festes war "eine schwere Entscheidung" für Putin.imago images/ITAR-TASS
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Das 75. Jubiläum anlässlich des Sieges im Zweiten Weltkrieg hätte heuer am 9. Mai ein noch größeres Fest sein sollen als sonst. Präsident Wladimir Putin musste die Feier wegen des Coronavirus aber verschieben.

Wegen der rapiden Ausbreitung des Coronavirus sah sich der russische Präsident Wladimir Putin am Donnerstag gezwungen, die für 9. Mai geplante Jubiläumsparade zum „Tag des Sieges“ zu verschieben. Für Russland ist die symbolträchtige Parade am 9. Mai das wichtigste politische Ereignis des Jahres. Putin sprach von einer schweren Entscheidung.

Wochenlang hatte es so ausgesehen, als ob Putin trotz Corona an der Durchführung der Parade zum „Tag des Sieges" festhalten würde. Doch die kurzfristige Absage eines Moskauer Jubiläumsfeuerwerks am vergangenen Sonntag, bei dem 3.000 Feuerwerksraketen an die Befreiung Wiens vor genau 75 Jahren hätten erinnern sollen, brachte die Trendwende.

Am Mittwoch wandten sich schließlich staatsnahe Veteranenverbände an den Präsidenten und ersuchten um Verschiebung der Feierlichkeiten des 9. Mai. Spätestens zu diesem Zeitpunkt gab es keinen Zweifel mehr, dass am traditionellen Feiertag Moskau nicht marschieren würde. 24 Stunden später verkündete Wladimir Putin am Donnerstagnachmittag bei einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrates die Verschiebung: „Das Datum 9. Mai ist für uns heilig, aber auch das Leben jedes Menschen ist heilig." Man werde aber alle Veranstaltungen zur Ehre des „Tages des Sieges" im Laufe des Jahres 2020 durchführen, betonte er.

Verschiebungen unterstreichen kritische Lage

„Runde" Jubiläen spielen in der russischen Kultur traditionell eine besonders große Rolle und die Entscheidung Putins unterstreicht einmal mehr, dass die Coronavirus-Lage in Russland mittlerweile auch vom Kreml als äußerst kritisch gesehen wird. Im Land wurden bisher zwar erst 28.000 Erkrankungsfälle registriert, die offiziellen Zuwachsraten steigen aber exponentiell. Am Donnerstag wurden 3.500 Neuinfektionen gemeldet.

Die Verschiebung ist aber auch eine herbe symbolpolitische Niederlage für den russischen Präsidenten, der sich das Jahr 2020 ganz anders vorgestellt hatte. Zunächst hätte die Bevölkerung in einem Referendum am 22. April mit großer Mehrheit für eine Verfassungsänderung stimmen sollen, die seine mögliche Regentschaft bis in das Jahr 2036 verlängert hätte.

Auch Van der Bellen war eingeladen

Am 9. Mai hätte Putin schließlich in Gesellschaft ausländischer Staatsoberhäupter eine besonders spektakuläre Militärparade am Roten Platz abnehmen und mit dieser Inszenierung auch die große internationale Bedeutung Russlands zum Ausdruck bringen sollen. Eingeladen war auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der bisher weder zu, noch abgesagt hatte. In Coronazeiten sei aber an Reisen derzeit nicht zu denken, sagte ein Sprecher des Bundespräsidenten.

Der Tag des Sieges wurde in den letzten 20 Jahren aber auch zunehmend als Ausdruck eines wiedererstarkten Russlands verwendet, das sich - so die propagandistische Selbstdarstellung - unter Wladimir Putin wieder aufgerichtet hatte. Kein anderer Festtag mobilisierte die russische Bevölkerung in einem vergleichbaren Ausmaß: Deutlich wird dies seit 2015 durch Millionen an Russen, die an diesem Tag jeweils mit Porträts ihrer Väter und Großväter bei Märschen des "Unsterblichen Regiments" durch russische Großstädte ziehen.

Fest wird noch heuer nachgeholt

Am Donnerstag versprach der russische Präsident jedenfalls, dass alle geplanten Veranstaltungen, darunter auch diese Märsche der Bevölkerung, an einem späteren Zeitpunkt des Jahres 2020 nachgeholt würden. Als mögliche Ersatztermine galten bisher der 24. Juni, der 75. Jahrestag der ersten Militärparade am Roten Platz, bei der der Sieg über Nazideutschland gefeiert worden war. Möglich wäre aber auch der Tag des offiziellen Endes des 2. Weltkriegs, den die russische Staatsduma erst am Dienstag mit einem Gesetzesbeschluss vom 2. auf den 3. September verlegt hatte.

Diese aktuelle Verlegung gilt als umstritten, da am 3. September seit 15 Jahren an die Opfer des Terroranschlag in der Stadt Beslan erinnert wurde. Der Menschenrechtsbeirat des russischen Präsidenten forderte daher am Mittwoch den Rat der Föderation auf, der Verschiebung auf den 3. September seine Zustimmung zu verweigern.

(APA)