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Morgenglosse

Lasst der Regierung doch ihren Babyelefanten

Baby elephant at Chester zoo Riva Hi Way, a baby Asian elephant calf born last month at Chester Zoo, makes her public de
Eigentlich nennt man Babyelefanten ja Kälber, aber bei dem Wort denkt man vielleicht eher ans Essen als ans Abstandhalten.(c) imago images/PA Images (Peter Byrne via www.imago-images)
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Zum Abstand-Messen verwenden die Österreicher neuerdings Babyelefanten. Erfunden wurde das von einer Werbeagentur. Man mag das kindisch finden. Oder nett.

„Jetzt schaut alles so leicht und lustig aus“, sagte Vizekanzler Werner Kogler zu den kommenden Lockerungen im „Report“ am Dienstagabend. Ja sapperlot. Was soll denn grad „leicht und lustig“ sein? Die Krise ist erst der Anfang der Krise, nach der Gesundheit kommt die Wirtschaft (und vielleicht ist danach wieder die Gesundheit dran). Bei den Arbeitslosenzahlen verwendet man das Wort Million, hunderte Geschäfte werden zusperren und der Urlaub ist gestrichen.

Im Home Office zu sitzen ist vermutlich „leichter und lustiger“, als es die Politelite gerade hat, die Entscheidungen treffen und Krisengespräche führen muss. Und die tägliche Pressekonferenz will auch bestritten werden. Zu Lachen hat die Regierung derzeit nichts. Außer vielleicht Kanzler Sebastian Kurz beim Blick auf die Umfragewerte, aber der steht derzeit ja im Verdacht, den Menschen Angst machen zu wollen, damit sie die Krise ernst nehmen.

Im krassen Gegensatz dazu steht der Babyelefant. Dieser Tage dient er (ohne Rüssel gerechnet) als Maßeinheit, den die Österreicher neuerdings zum Abstandhalten verwenden sollen. Täglich wird man daran erinnert, via Funk, Fernsehen, Online-Werbung, selbst in Besprechungen mit den Kollegen. Der Babyelefant ist überall. Man mag das kindisch finden. Manche kritisieren, dass der Staat die Bürger wie kleine Kinder behandelt. Manche finden die Erfindung der Werbeagentur Jung von Matt pseudokreativ. Andere halten einen Einkaufswagen oder vier Bierkisten (Einwand: wenig kindertauglich) für anschaulicher in Abstandsfragen.  

Verhaltensökonom Axel Sonntag findet den Babyelefanten nicht so schlecht: „Das hat einen gewissen Schmunzelfaktor und ist besser als tägliche oberlehrer- oder oberlehrerinnenhafte TV-Ansprachen“, sagte er im „Presse“-Interview. Und  Werner Singer von der Agentur Jung von Matt erklärt in Ö3: „Unsere Aufgabe war es, ein Symbol zu finden, das die Menschen lustig finden, sie aufregt, und sich am Ende einfach bei ihnen auf eine Art und Weise festsetzt.“

Das mit dem Festsetzen ist gelungen. Eines Tages, wenn alles wieder tatsächlich „leicht und lustig aussieht“, wird man zurückdenken an die Coronakrise. Wäre es nicht nett, wenn einem dann ein Babyelefant vor dem geistigen Auge erscheint? Aber bitte mit Rüssel.