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iPhone 4: Experten raten Apple zu sofortigem Rückruf

Steve Jobs
(c) AP (Paul Sakuma)
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Wie Apple mit dem Antennenproblem des Handys verfährt, sei verantwortungslos und könnte vernichtende Auswirkungen haben. Ein Rückruf würde laut Analysten-Berechnung 1,5 Milliarden Dollar kosten.

Wie Apple auf das Antennenproblem des iPhone 4 reagiert sei "an der Grenze der Verwantwortungslosigkeit". Der Designfehler könnte einen "vernichtenden" Einfluss auf die Marke haben. Mit diesen harten Worten kritisieren mehrere PR-Experten den Hersteller des Kult-Handys. "Apple wird gezwungen sein, das Produkt zurückzurufen", sagt Matthew Seeger, Professor für Kommunikation an der Wayne State University gegenüber Cult of Mac. Auch Chris Lehane, ehemaliger Schadensbegrenzer zur Zeit von US-Präsident Bill Clinton, sieht eine "Toyota-artige PR-Krise" für Apple.

Antennenproblem in Tests nachgewiesen

Besonders drastisch für Apple war die Kritik im renommierten Verbraucherschutzmagazin Consumer Reports. In einem Labortest konnte das oft kritisierte Empfangsproblem nachgewiesen werden, weshalb dem iPhone 4 keine Empfehlung ausgesprochen werden konnte. Dabei zeigte es sich in anderen Testgebieten, wie dem Display oder der Akkulaufzeit, von seiner besten Seite. Apples Aktie begann nach der Veröffentlichung von Consumer Reports an Wert zu verlieren. Das Magazin genießt in den USA einen großen Stellenwert.

Klebeband als Lösung

Hält man das iPhone 4 so, dass ein Teil der Hand einen dünnen schwarzen Streifen auf der linken Seite des Edelstahlrahmens berührt, bricht der Empfang drastisch ein und auch Anrufe reißen ab. Apple hat das Smartphone so entwickelt, dass die Außenseiten als Antennen fungieren. Viele Tester haben das mehrfach als Designfehler bezeichnet. Die einfachste Lösung: Man deckt die betroffene Stelle mit einem Stück nichtleitendem Klebeband ab. Apple empfiehlt wiederum, das iPhone 4 "nicht so zu halten" oder den Kauf einer Schutzhülle um 29 US-Dollar.

Apple reagiert zu langsam

"Apple muss dieses Feuer ausmachen", warnt Larry Barton, Experte für Krisenkommunikation und ehemaliger Harvard-Professor. Er vermisst die nötige Dringlichkeit in der Reaktion des Herstellers. Dieser sollte entweder das Problem als Hardwarefehler anerkennen und sich nicht länger auf die Software ausreden, oder die Tests von Consumer Reports und diversen Technikblogs widerlegen. Auch Lehane findet Apples Vorgangsweise falsch. "Sie haben sich in einem Loch wiedergefunden und haben es noch tiefer gegraben", sagt der Experte in Bezug auf Apples bisherige Reaktionen.

Rückruf könnte 1,5 Milliarden Dollar kosten

Etwas süffisant klingt die Aussage des PR-Experten Rene Henry. Er meint, Apple würde immerhin BP aushelfen. Das iPhone-4-Debakel würde die Aufmerksamkeit von dem Ölkonzern und der Krise im Golf von Mexiko ablenken. Einen Rückruf sieht auch er als unausweichlich an. "Das wird teuer werden", ist Henry überzeugt. Er dürfte recht haben. Laut Berechnungen des Analysten Toni Sacconaghi von Bernstein Research würde ein kompletter Rückruf Apple 1,5 Milliarden US-Dollar kosten. Er sieht es aber als unwahrscheinlich an, dass Apple das tun wird. Eher könnte der Hersteller die "Bumper" genannten Schutzhüllen gratis hergeben. Ein diesbezügliches Gerücht gab es bereits. Allerdings hält Apple weiterhin am normalen Verkaufspreis fest.

(db)