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Kulturpolitik

Josefstadt-Direktor: „Diese Regierung ist eine Zumutung für die Kulturnation“

Dramaturg Matthias Asboth, Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger und Günter Rhomberg, Vorstand der Theater in der Josefstadt-Privatstiftung(c) Screenshot
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Herbert Föttinger ist „besorgt und verzweifelt und auch wütend, weil wir endlich von der österreichischen Bundesregierung Perspektiven haben wollen“.

Eigentlich sollte es bei der Pressekonferenz der Josefstadt am Donnerstagvormittag um die Stücke gehen, die in der kommenden Spielzeit im Theater in der Josefstadt zu sehen sein sollen. Angesichts der aktuellen Lage wurde es aber politisch. Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger las zu Beginn einen Teil der Präambel des Regierungsprogramms der Bundesregierung vor, in dem sich diese zur Kultur bekannt. „Diese Bundesregierung ist eine Zumutung für die österreichische Kulturnation“, konstatierte Föttinger dann, denn alles, was man in den letzten zwei, drei Wochen gehört habe, sei nicht strategisch zukunftsorientiert gewesen. Er könne verstehen, dass der Kultursektor empört sei durch „Vernachlässigung“ und „Empathielosigkeit“.

Die Wutrede von Kabarettist Lukas Resetarits könne er nachvollziehen, auch er sei „besorgt und verzweifelt und auch wütend, weil wir endlich von der österreichischen Bundesregierung Perspektiven haben wollen“. Der Theaterbetrieb müsse planen, sagte er. Es müsse jetzt klar kommuniziert werden, wie ein sicherer Betrieb aussehen muss: „Es braucht den Schneid, klare Ansagen zu machen“. Wenn das Theater ein gefährlicher Ort sei, dann könne man ihn nicht öffnen, aber auch das müsse man mitteilen.

Günter Rhomberg, Vorstand der Theater in der Josefstadt-Privatstiftung, betonte den wirtschaftlichen Wert der Josefstadt: „Ein Theater ist eigentlich ein ganz normaler Wirtschaftsbetrieb“, sagte er. Man habe mehr als 400 Mitarbeiter, davon sei ein Viertel Künstler, der Rest Techniker, Verwaltungsangestellte, Handwerker etc. Insgesamt, so Rhomberg, seien fast 200.000 Menschen in Österreich im Kultursektor tätig.

Die Kritik zielte nicht auf die vielgescholtene Kulturstaatssekreträin Ulrike Lunacek (Grüne): „Man kann nicht nur auf einer Staatssekretärin herumtreten, die erst seit wenigen Monaten im Amt ist. Das ist Chefsache“, so Rhomberg.

Am Schluss wandte sich Föttinger direkt an Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP): „Sie, Bundeskanzler Kurz, müssen sich zu dieser Kulturnation bekennen. Laut und deutlich. In einem Nebensatz die Kultur zu erwähnen, reicht nicht. Wenn die Kulturnation nach dieser Pandemie nicht mehr existiert, sind Sie verantwortlich. Sie müssen uns einen Rettungsschirm aufspannen. Vergessen Sie Ihre Umfragewerte und handeln Sie jetzt.“

 

(her)