Im ersten Stock wurden Zähne gezogen, im Parterre herrschte der Wirt: Wiener Gastwirtschaft Wilhelm Hacker, Ansichtskarte aus den 1930er-Jahren.
Lokalgeschichte

Gasthaus des Wirts, Wirtshaus der Gäste

Sie sinds wieder offen, die „Betriebsstätten der Gastgewerbe“. Aber wie öffentlich sind sie? Und wie absolut ist die wirtliche Macht? Eine Grat- und Schankwanderung.

Endlich sperren die Wirtshäuser wieder auf. Und die Gasthäuser. Ist das nicht das Gleiche? Eigentlich schon. Aber irgendwie auch wieder nicht. „Im Wirtshaus bin i wia z'haus“, sagt eine wienerische Weisheit. Das kann der Gast nicht sagen, rein wörtlich gesehen. Denn „Gast“ kommt nicht von der Gastronomie, sondern von einem indoeuropäischen Wort für Fremdling, ist sogar mit dem lateinischen „hostis“, Feind, verwandt.

Wenn der Gast im Wirtshaus sitzt, dann sitzt er also als Fremder im Haus des Hausherrn, denn das Wort Wirt kommt vom germanischen Werdum, Hausherr. Das englische „host“ spricht eine noch klarere Sprache: Die Etymologen leiten es von einem zusammengesetzten Hauptwort ab, das „Herr der Gäste“ oder „Herr der Fremden“ bedeutet. Man sieht ihn richtig vor sich, den Wirt, mit unzart gerötetem Gesicht, eine Schürze um den mächtigen Leib, die Hände in die Hüften gestemmt, mit dröhnender Stimme und drohendem Dativ eine Reklamation abschmetternd: „Das Gulasch passt schon, das hat noch einem jeden geschmeckt, das wird auch für Ihnen recht sein!“