Markt in China: Nicht nur Hühner werden gehandelt, sondern auch Wildtiere wie Zibetkatzen und Schuppentiere.
Jared Diamond im Interview

„Gefährlich an diesem Virus sind die Düsenflugzeuge“

Der renommierte US-Wissenschaftler Jared Diamond zieht erste Erkenntnisse aus der Coronakrise: Er erklärt, weshalb Amerikaner Wissenschaftlern nicht trauen, die traditionelle chinesische Medizin Epidemien fördert und einige Nationen Krisen besser bewältigen als andere. Und warum Paranoia hilfreich ist.

Wenn man Jared Diamond telefonisch in Los Angeles erreicht, antwortet er in perfektem Deutsch. Dann wechselt er ins Italienische, er hätte jetzt im Sommersemester eigentlich in Rom politische Geografie lehren sollen, sagt der 82-Jährige. Wegen der Pandemie musste er daheimbleiben.

Elf Sprachen beherrscht der Pulitzer-Preisträger. Der US-Professor ist einer der vielseitigsten Intellektuellen und pointiertesten Beobachter unserer Zeit, Bill Gates etwa gehört zu seinen größten Fans. Der promovierte Physiologe beschäftigte sich während seiner langen Karriere mit Ornithologie, Evolutionsbiologie, Ökologie, Anthropologie, Geografie – und zuletzt mit Zeitgeschichte. Er lebte, forschte und lehrte in zahlreichen Ländern. Seine Bücher sind Bestseller. Darin stellt er anhand von Fallbeispielen und seines breiten Fachwissens die ganz großen Fragen: Warum einige Zivilisationen untergegangen sind – und andere Welten eroberten. Oder wie Geografie gesellschaftliche Entwicklung prägt. In seinem jüngsten Werk untersucht der Gelehrte, wie moderne Nationen mit Krisen umgehen (sollen) und Krisen Nationen verändern. Das Buch erschien wenige Monate vor der Pandemie.

Mit der „Presse am Sonntag“ teilte der Professor nun Erkenntnisse zu Covid-19 und den Folgen der Pandemie.