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Schnellauswahl
Neue Staatssekretärin

Reaktionen: Mayer hat "nötige Härte" und "eine intime Kenntnis"

APA/ROLAND SCHLAGER
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KHM-Direktorin Haag hält Mayer für „eine ausgezeichnete Wahl“ und ÖNB-Chefin Rachinger meint, sie habe die „nötige Härte“. Für Kickl allerdings "zieht die SPÖ in die Regierung ein“.

Dass die Wahl der Grünen auf Andrea Mayer als neue Kunst- und Kulturstaatssekretärin gefallen ist, trifft im Kulturbereich gleichsam auf einhellige Zustimmung. "Ich glaube, Frau Mayer verkörpert wie derzeit kaum jemand sonst eine intime Kenntnis der Kunst- und Kulturlandschaft in Österreich", zollte Sabine Haag als Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museum ihren Respekt.

Das bringe einen unschätzbaren Vorteil mit sich: "Sie kann sofort loslegen." Eine lange Einarbeitungszeit sei angesichts der drängenden Probleme der Branche schlicht nicht möglich. Ein weiterer Punkt, der für die neue Kulturstaatssekretärin spreche, sei ihre breite Vernetzung in der Szene - von den freien Initiativen bis zu den großen Bundesreinrichtungen: "Andrea Mayer kann sofort zum Hörer greifen und die Betroffenen anrufen.“ Diese Fähigkeit gelte auch für das politische Parkett, was nicht unwesentlich sei angesichts der weiterhin bestehenden Fallstricke einer Staatssekretariatskonstruktion. Kurzum: "Ich halte Andrea Mayer für eine ausgezeichnete Wahl."

Rabl-Stadler: "Sie hat bewiesen, dass sie es kann"

"Wenn wir Andrea Mayer mit Freude begrüßen, dann sind das keine Vorschusslorbeeren, denn sie hat im Kuratorium der Salzburger Festspiele bereits bewiesen, dass sie es kann", reagierte die Präsidentin der Salzburger Festspiele, Helga Rabl-Stadler. "Sie hat Kompetenz, Verhandlungsgeschick und Standfestigkeit. Und was auch ganz wichtig ist: eine große Freude an Kunst und Kultur." Mayer habe das Festival als Kuratoriums-Vorsitzende bei wichtigen Zukunftsentscheidungen begleitet.

Sie habe Andrea Mayer als Pragmatikerin und engagierte Sachpolitikerin kennengelernt, sagte Rabl-Stadler. "Parteipolitik hat für sie - als Mitglied des Kuratoriums der Salzburger Festspiele damals - nie eine Rolle gespielt, sondern es war ihr wichtig, wie man zu guten Lösungen für die Festspiele kommt, hinter denen alle öffentlichen Körperschaften stehen. Ich habe das beste Vertrauen, dass sie mit allen Politikern gleich welcher Fraktion versuchen wird, partnerschaftlich zu sprechen."

"Durchsetzungskraft und nötige Härte"

"Andrea Mayer kennt die österreichische Kunst- und Kulturlandschaft in- und auswendig. Sie hat eine hohe Affinität zu diesem Genre und ist bestens vernetzt." So lautet das erste Statement der Generaldirektorin der Nationalbibliothek, Johanna Rachinger, über die künftige neue Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer.

"Darüber hinaus besitzt sie Durchsetzungskraft und auch die nötige Härte, die beide notwendig sein werden, um das Beste für Kunst und Kultur zu erreichen", so Rachinger, die derzeit auch Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Bundesmuseen ist, am Montagabend zur APA. Mayer soll morgen von Vizekanzler Werner Kogler offiziell als Nachfolgerin von Ulrike Lunacek präsentiert werden.

Kulturpolitikerin von Format

Auch Christian Kircher, Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, streute der Frischgekürten verbale Rosen: "Andrea Mayer ist eine Kulturpolitikerin von Format und bestens vernetzte Kennerin des heimischen Kunst- und Kulturgeschehens. Sie bringt die besten fachlichen und persönlichen Voraussetzungen mit für die Position der Staatssekretärin in diesen herausfordernden Zeiten."

Filmbranche: "Hilfreiche Partnerin in allen Fragen"

Auch der Dachverband der Filmschaffenden begrüßt die Bestellung von Andrea Mayer als Kulturstaatssekretärin. "Sie kennt die Branche aus ihrer früheren Tätigkeit im Ministerium sehr gut und war immer eine wichtige Ansprechpartnerin und hilfreiche Partnerin in allen Fragen", so Fabian Eder, Vorsitzender des Dachverbands der österreichischen Filmschaffenden.

Die dringlichste Frage für die Filmbranche sei nun die Sicherstellung der Ausfallhaftung für große fiktionale Produktionen (Spiel- und TV Filme sowie Serien). "Notwendig wäre hier eine gemeinsame Lösung für Kino- und TV-Produktionen, die eine umfassende Absicherung für alle Beschäftigten - sowohl Angestellte wie Neue Selbstständige - beinhaltet. Darüber hinaus müssen die eklatanten Mehrkosten, die aus der Notwendigkeit der Hygienemaßnahmen entstehen, dringend abgedeckt werden, da sonst die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Risiken für eine Wiederaufnahme des Produktionsbetriebs nicht tragbar sind." Nach wie vor aufrecht sind die Forderungen nach einem eigenen Hilfsfonds für Filmschaffende wie jene nach einer Mittelaufstockung von ÖFI und RTR, um die bereits entstandenen Schäden wenigstens ein wenig abzufedern.

Kaup-Hasler: „ Meine Hand ist ausgestreckt"

Über eine "fachlich versierte Ansprechperson" freut sich Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ): "Als jemand, die bereits im kulturpolitischen Feld gearbeitet hat, gilt Andrea Mayer als politisch erfahren, in der Kultur bestens vernetzt und als Managerin mit hoher Durchsetzungsfähigkeit; eine Qualität, die besonders in Krisenzeiten gefragt ist."  Und: „Meine Hand ist ausgestreckt und ich freue mich auf eine konstruktive Zusammenarbeit."

Zu tun gebe es genug: "Es gibt Bereiche in der Kultur, die von den bisherigen Maßnahmen des Bundes noch gar nicht erfasst werden, etwa Personen mit mehreren Beschäftigungsverhältnissen, die arbeitslos gemeldet sind oder auch das gesamte Feld der künstlerisch-technischen Berufe. Daher braucht es jetzt endlich einen Rettungsschirm des Bundes, der über das ganze Land gespannt wird, die Einnahmenausfälle zur Gänze berücksichtigt und alle Bereiche von künstlerisch arbeitenden Menschen umfasst", fordert die Stadträtin.

Für Kickl "zieht SPÖ in die Regierung ein"

Während sich die Kultursprecher von Neos und der SPÖ am Dienstag über die Ernennung von Andrea Mayer zur Kulturstaatssekretärin erfreut zeigen, kommen aus der FPÖ deutlich kritischere Töne. "Mit Andrea Mayer als neuer Staatssekretärin für Kunst und Kultur zieht nun auch die SPÖ in die Regierung ein", kritisierte FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl.

Für Kickl wäre es "zielführender gewesen, das Staatssekretariat für Kunst und Kultur ersatzlos zu streichen". Werner Kogler versuche, seine persönliche Verantwortung auf die Funktion der Staatssekretärin abzuwälzen, "um damit von seinem eigenen Versagen im Kunst- und Kulturbereich abzulenken und sich nicht selbst die Finger zu verbrennen", ist Kickl überzeugt.

 

(APA)