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Für Defoe „die schönste aller Kirchen“ Londons: St. Paul's. Davor die Millennium Bridge im Lockdown.
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Mit Klassikern reisen

„Das blühendste und reichste Land der Welt“

Mit Daniel Defoe durch ein eben entstehendes Weltreich: „A Tour through the Whole Island of Great Britain“. Der vielseitige Autor staunte im frühen 18. Jahrhundert über schier unbegrenztes Wachstum. Er schrieb beste Reportagen.

Ach England, mein England! Da möchte ein Fan der britischen Inseln diese noch rasch bereisen, ehe der bereits beschlossene Brexit tatsächlich umgesetzt wird – schon macht einem die Coronaplage jede Hoffnung zunichte. Kein Flug nach Heathrow ist derzeit ohne triftigen Grund vernünftig, keine Eisenbahnfahrt durch den Eurotunnel. Nicht einmal die alte Art, via Fähre überzusetzen. Zu viele Klippen. Stattdessen also die Reise mit einem Klassiker, dessen Buch die Erinnerung auffrischt: Wer erklärt am besten, warum die Briten sind, wie sie sind, woher die gelegentliche Distanz zum Kontinent kommt, der nun wieder einmal vom Königreich abgeschnitten wird?

Dem Tausendsassa Daniel Defoe war sein Land auf viele Weise vertraut – als Kaufmann, Investor, Journalist, Romancier und Spion im Dienste seiner Regierung. Man könnte sich von ihm einen Auftritt im Kostümfilm „The Favourite“ vorstellen, der die Regentschaft von Queen Anne persifliert – mit langer Perücke, leicht zerschlissenem Gehrock und einem zynischen Spruch gegen Bigotterie. Defoe hat England und Schottland intensiv bereist und alert die enormen Veränderungen seit dem Bürgerkrieg Mitte des 17. Jahrhunderts beobachtet. Bald würde die Industrialisierung einsetzen. Der Autor war weit über 60, als er ab 1724 „A Tour through the Whole Island of Great Britain“ in drei Bänden  publizierte – sein größter Erfolg nach dem Roman „Robinson Crusoe“, der ihn weltberühmt gemacht hatte. Die „Tour“ fußte auf Jahrzehnten Erfahrung.