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Morgenglosse

Die Geschichte(n) des Heinz-Christian Strache

Ibiza ist ein Jahr her, und für jemanden, der sich eigentlich aus der Öffentlichkeit zurückziehen wollte, hört man ziemlich viel von ihm: Heinz-Christian Strache.

Jetzt ist schon wieder was passiert. Heinz-Christian Strache soll in den 1990er-Jahren eine antisemitische Widmung in ein antisemitisches Buch geschrieben haben, das berichtet zumindest die „Süddeutsche Zeitung“, die Strache vor einem Jahr auch schon zum Ibiza-Videostar machte. Strache kann sich nicht daran erinnern.

Die Veröffentlichung der Widmung kommt nur ein paar Tage nach Berichten der „Presse“ über neue Korruptionsvorwürfe gegen den Ex-FPÖ-Chef, der vor etwas über einem Jahr noch Vizekanzler von Türkis-Blau gewesen war. Bei seinem Abgang versprach er den Rückzug, rückblickend weiß man, dass man im vergangenen Jahr nicht unbedingt weniger von Strache gehört hat. „Mit dem Abstand eines Jahres ist Strache fast noch blöder geworden, als er damals war“, so formulierte es vor kurzem sein alter Parteifreund, Herbert Kickl, der ob Straches Ibiza-Turbulenzen damals auch noch seinen Innenministerposten losgeworden war. Alle paar Wochen kam eine neue alte Geschichte hervor, Affären, Causen.

Egal, ob jener Abend auf Ibiza, ob Spesen-Affäre, Casinos-Causa, oder eben jetzt, Kugelschreiber auf Papier: ätzender Antisemitismus, Straches Reaktion war, mit den Vorwürfen konfrontiert, stets dieselbe. Keine Erinnerung.

Dass Strache im rechtsextremen Milieu unterwegs war, ist bei weitem kein Geheimnis. Insofern scheint auch kaum jemand überrascht zu sein ob des Fundes der „Süddeutschen“. Kaum jemand - außer Strache selbst. Sein Gesicht - aus der Zeit, in der er mit Neonazis verkehrte - überpinselte er mühsam, solange, bis er sich selber als Staatsmann verstand. Doch eine aufgemalte Hochglanzfassade wird immer abgewaschen. Jemand, der seine Geschichte konsequent beiseiteschiebt, wird immer wieder von ihr eingeholt werden. Von der älteren - und von der jüngeren.