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Großbritannien

Boris Johnsons Vater will die französische Staatsbürgerschaft

Der britische Premierminister Boris Johnson beim Besuch einer Schule(c) REUTERS (POOL)
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Premier Boris Johnson gab die Details seines Öffnungsplans bekannt. Aus zwei Metern Abstand wird einer. Pubs dürfen wieder öffnen. Unterdessen wurde publik, dass sein Vater die französische Staatsbürgerschaft beantragt hat.

Boris Johnson gilt als jener Mann, der den Brexit erledigen will - „get Brexit done“ war sein Wahlkampfmotto. Während er als gewählter Premierminister nun mit der Coronaviruskrise beschäftigt ist, wurde bekannt, dass Johnsons Vater um die französische Staatsbürgerschaft angesucht hat. Stanley Johnson habe den EU-Pass beantragt, schreibt Boris Johnsons Schwester Rachel in ihrem neuen Buch. Stanley Johnson war gegen den Austritt Großbritanniens aus der EU. Seine Mutter wurde in Versailles geboren. Der Schritt ist insofern nicht überraschend, als er zuvor öffentlich gegen die Brexit-Politik seines Sohnes Stellung bezogen hat.

Während die Verhandlungen mit der EU über die Beziehungen nach dem Brexit stocken, will Boris Johnson nun zumindest die Coronakrise im Land mildern, indem er einige Lockerungen plant. Trotz Kritik unabhängiger Wissenschaftler dürfen Pubs, Restaurants, Hotels und viele andere Einrichtungen in England mit 4. Juli öffnen. Das kündigte Johnson am Dienstag im Parlament in London an. Gleichzeitig werde die Abstandsregel von zwei Metern auf einen Meter reduziert, sofern andere Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus getroffen werden.

Unter anderem müssen Besucher beim Betreten ihre Kontaktdaten hinterlassen. Auch Kinos, Museen, Bibliotheken, Friseursalons und Gotteshäuser dürfen unter Auflagen wieder aufmachen. Die neue Regelung gilt nur für England. Schottland, Wales und Nordirland legen ihre eigenen Maßnahmen fest.

Kritik an Ein-Meter-Regel

Die Pub-Branche hatte bereits mit Ungeduld auf die Ankündigung gewartet. Noch vergangene Woche warnten Pub-Ketten und Brauereien in einem offenen Brief vor dramatischen Folgen, sollte sich die Regierung nicht bald auf Regeln festlegen. Die Zukunft Tausender Pubs und Hunderttausender Arbeitsplätze stehe auf dem Spiel, hieß es.

Auf der anderen Seite gab es scharfe Kritik an den Lockerungen. Die Reduzierung des Mindestabstands in Innenräumen auf einen Meter komme einer Aufhebung der Kontaktbeschränkungen gleich, hieß es in einer Mitteilung der Gruppe unabhängiger Wissenschaftler "Independent Sage". Dafür sei die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit rund 1000 noch zu hoch.

Zudem müsse es ein funktionierendes System zur Nachverfolgung von Kontakten geben. Johnson hatte angekündigt, bereits bis Anfang Juni ein "Weltklasse-System" einzuführen. Inzwischen musste die Regierung aber eingestehen, dass dieses Versprechen nicht eingehalten werden konnte.

Großbritannien ist das am schwersten von der Coronavirus-Pandemie betroffene Land in Europa. Dort starben bisher mehr als 42.600 positiv auf das Coronavirus getestete Menschen. Die Zahl der Todesfälle, bei denen die Lungenkrankheit Covid-19 als Ursache festgestellt wurde, liegt bei mehr als 53.000.