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Konjunktur

Wirtschaftsweise erwarten heftige Rezession in Deutschland

Die Coronapandemie wird voraussichtlich den stärksten Einbruch der deutschen Wirtschaft seit Bestehen der Bundesrepublik verursachen.

Die Wirtschaftsweisen rechnen für heuer insgesamt mit einer schweren Rezession in Deutschland - aber ab Jahresmitte mit einer wieder anziehenden Konjunktur. "Die Coronapandemie wird voraussichtlich den stärksten Einbruch der deutschen Wirtschaft seit Bestehen der Bundesrepublik verursachen", sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates, Lars Feld, am Dienstag.

"Wir erwarten, dass jedoch ab dem Sommer eine Erholung einsetzt." Demnach dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) heuer um 6,5 Prozent einbrechen und 2021 um 4,9 Prozent steigen. "Damit dürfte das BIP frühestens im Jahr 2022 wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie liegen."

Die Ökonomen hatten bei ihrer Prognose im März für 2020 drei Szenarien durchgespielt - von einem Schrumpfen der Wirtschaft um 2,8 Prozent bis hin zu einem Minus von 5,4 Prozent. Da die Viruskrise sich aber dynamischer entwickelt habe und die Eindämmungsmaßnahmen umfassender seien sowie länger dauerten als erwartet, sei man nun pessimistischer.

Die Arbeitslosenquote werde in den kommenden Monaten weiter steigen und erst im Jahresverlauf 2021 wohl langsam wieder zurückgehen. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen dürfte im Jahresschnitt 2020 bei knapp 2,72 Millionen liegen, nach 2,27 Millionen im vorigen Jahr. Die Ausrüstungsinvestitionen brechen laut Sachverständigenrat in diesem Jahr um gut 19 Prozent ein, und die Verbraucher dürften um 5,5 Prozent weniger ausgeben.

Zudem bremse das schlechte außenwirtschaftliche Umfeld die deutschen Exporte deutlich: Die Ausfuhren dürften 2020 um 14,5 Prozent schrumpfen. "Die globale Ausbreitung des Coronavirus hat zu einer tiefen Rezession der Weltwirtschaft geführt", erklärten die fünf Ökonomen und Ökonominnen. Für die Wirtschaft im gesamten Euroraum rechnet der Sachverständigenrat heuer mit einem Einbruch von 8,5 Prozent und für 2021 mit 6,2 Prozent Wachstum. Dabei dürften sich die Stützungsmaßnahmen und beschlossenen wirtschaftspolitischen Konjunkturimpulse in Deutschland und bei wichtigen Handelspartnern positiv auswirken.

Die Wirtschaftsweisen betonten aber, dass der Ausblick für die weitere wirtschaftliche Entwicklung extrem unsicher bleibe. Viel hänge vom Verlauf der Viruspandemie ab. "Sollte es nicht gelingen, die Anzahl der Neuinfektionen etwa durch Smart Distancing gering zu halten, den Lockerungskurs fortzusetzen und die Unsicherheit der Unternehmen und Haushalte zu senken, ist mit einer deutlich länger anhaltenden Schwächephase zu rechnen."

Jobabbau im Maschinenbau

Im Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland planen gut 12 Prozent der Unternehmen einen Personalabbau, wie die Gewerkschaft IG Metall unter Berufung auf eine Umfrage unter Betriebsräten von mehr als 800 Firmen mitteilt. "In über 40 Prozent der Betriebe wurden Leiharbeiter abgemeldet und in 37 Prozent liefen die Befristungen aus."

Bei der vorigen Erhebung im April planten nur 8 Prozent Stellenstreichungen. "Mit diesen personellen Einschnitten läuft der Maschinenbau Gefahr, die Facharbeiterbasis zu verlieren. Damit wird die Zukunftsfähigkeit der Branche gefährdet", kritisiert Wolfgang Lemb, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.

 

(APA/Reuters)