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Streng geregelter Familienkonzern Spar: Poppmeier folgt auf Drexel

Fritz Poppmeier (54) übernimmt die Spar-Führung
Fritz Poppmeier (54) übernimmt die Spar-FührungAPA/HELGE KIRCHBERGER PHOTOGRAPHY
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Der langjährige Spar-Boss Gerhard Drexel erreicht im August das Alterslimit von 65 Jahren und muss daher das Zepter mit Ende 2020 abgeben. Neuer Vorstandsvorsitzender der Spar Holding AG wird mit Jahresbeginn 2021 Fritz Poppmeier (54).

Beim Salzburger Familienkonzern Spar ist die Nachfolge streng geregelt. Die Statuten sehen ein Alterslimit von 65 Jahren vor, die Chefs kommen immer aus den Gründerfamilien. Der langjährige Spar-Boss Gerhard Drexel erreicht im August dieses Alter und muss daher das Zepter mit Ende 2020 abgeben. Neuer Vorstandsvorsitzender der Spar Holding AG wird mit Jahresbeginn 2021 Fritz Poppmeier (54).

Poppmeier stammt wie Drexel aus der Familie der Spar-Gründer. Auch sein künftiger Stellvertreter Hans K. Reisch (58) ist freilich aus diesen Reihen. Der Handelskonzern Spar gehört zu 93 Prozent den Familien Drexel, Poppmeier und Reisch, den Rest besitzen einzelne Privatpersonen.

Der Vorarlberger Drexel ist seit 31 Jahren im Spar-Vorstand, 20 Jahre davon als Vorstandsvorsitzender. Als Miteigentümer wird er Anfang 2021 in den Aufsichtsrat wechseln und dort den Vorsitz übernehmen, gab das Unternehmen am Freitag bekannt. Rudolf Staudinger wird nach 36 Jahren bei Spar und nach 18 Jahren im Vorstand ebenfalls per Ende des Jahres mit 65 Jahren aus dem Vorstand ausscheiden.

Drexel nahm sich kein Blatt vor den Mund

Anders als andere Handelsmanager scheute Drexel keine Konfrontation und nahm sich kaum je ein Blatt vor den Mund. Er wetterte lautstark gegen Freihandelsabkommen wie CETA und TTIP, erst Anfang des Jahres zog er sich den Protest der Bauern zu, als er ein "Handelsbashing" durch Agrar-Funktionäre kritisierte.

2014 trug Drexel öffentlich einen Konflikt mit dem Chef der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), Theodor Thanner, aus. Es ging um vermutete Preisabsprachen. Ende 2015 folgte der Paukenschlag: Spar wurde vom Kartellobergericht zu einer Rekordstrafe von 30 Mio. Euro verdonnert. Es war eine der höchsten Kartellstrafen in der österreichischen Geschichte. Im Jahr darauf, 2016, musste der Handelskonzern weitere rund 10 Mio. Euro bezahlen.

Doch der streitlustige Spar-Chef führte das Familienunternehmen immer näher an den Erzrivalen Rewe (Adeg, Billa, Merkur und Penny) heran. Während der Marktanteil von Rewe 2019 bei 34,1 Prozent stagnierte, legte Spar weiter zu auf 32,7 Prozent. 2019 beschäftigte Spar in Österreich allein in seinen Lebensmittelketten knapp 44.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und verfügte über mehr als 1.500 Standorte der Marken Spar, Eurospar, Interspar und Maximarkt.

„Mittelauropäischer Handelskonzern“ stärkeres Ziel

Neu in den Spar-Vorstand kommen mit Jahresbeginn 2021 Marcus Wild (57), Markus Kaser (48) und Paul Klotz (54). Da sich Spar in Zukunft noch stärker als mitteleuropäischer Handelskonzern ausrichten will, "werden in Zukunft auch fünf statt bisher vier Vorstände im Konzern-Vorstand tätig sein", hießt es in einer Aussendung des Handelsunternehmens.

Wild war bisher Chef der Spar-Shoppingcenter-Tochter SES und wird künftig im Vorstand für SES, Immobilien, die Sporthandelsfirma Hervis und Business Process Management zuständig sein. Interspar-Geschäftsführer Kaser soll unter anderem die Bereiche Marketing, CSR, Einkauf, IT sowie Interspar und Maximarkt verantworten. Klotz, seit 2000 in der Geschäftsführung der Auslandstochter DeSPAR Italien, soll sich in Zukunft um die Auslandsgeschäfte kümmern.

Der Reigen in der fast ausschließlich männlich besetzten Spar-Führungsriege dreht sich wie folgt weiter: Johann Felser, derzeit Finanzchef (CFO) der Shoppingcentertochter SES, wird Vorsitzender der Geschäftsführung und folgt Wild. Ihm zur Seite als neue Geschäftsführer der SES stehen Christoph Andexlinger, der derzeit das Center-Management International leitet und Johannes Köth, der das internationale Asset Management leitet.

Neuer Interspar-Geschäftsführer wird Johannes Holzleitner, seit 2012 Leiter des Bereichs Lieferantenpolitik und Sortimentsstrategie sowie Geschäftsführer EKS. Dietmar Steiner bleibt wie bisher stellvertretender Geschäftsführer bei Interspar. Neu hinzu kommt als stellvertretende Geschäftsführerin Michaela Kaspar, bisher bei Interspar Bereichsleiterin Food und Non-Food. Nachfolgerin für Holzleitner als Leiterin Lieferantenpolitik und Sortimentsstrategie sowie Geschäftsführerin EKS wird Tanja Wiesmann, seit 2001 Sortimentsmanagerin bei Spar.

Die Nachfolge von Klotz in der Italien-Geschäftsführung wird Christof Rissbacher übernehmen, der seit acht Jahren die Spar-Zentrale Wörgl führt. Neue Geschäftsführerin der Spar-Zentrale Wörgl wird Patricia Sepetavc, die derzeit den Filialbereich für Tirol und Salzburg leitet.

(APA)