Gesamtschule: ÖVP will die Schule „verländern“

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(c) Pfarrhofer

Gesamtschule? „Niemals“, sagt inzwischen wieder ein Großteil der ÖVP-Politiker und das auch offiziell. So diese Woche auch Parteichef Josef Pröll, den das Konzept seit jeher nicht überzeugt.

Gesamtschule? „Niemals“, sagt inzwischen wieder ein Großteil der ÖVP-Politiker und das auch offiziell. So diese Woche auch Parteichef Josef Pröll, den das Konzept seit jeher nicht überzeugt und der vor allem um Wählerstimmen fürchten soll. Rückenwind haben die Gesamtschulgegner zuletzt durch den Volksentscheid über die Hamburger Schulreform erhalten: 60 Prozent lehnten dabei ein Gesamtschul-ähnliches Modell ab.

In der ÖVP kommt damit Wissenschaftsministerin Beatrix Karl weiter in Bedrängnis. Im Frühjahr hatte sie sich für ein „Gymnasium für alle“ bis 14 ausgesprochen – und somit dem ÖAAB-Papier zur künftigen Bildungspolitik der Partei eine Absage erteilt. Jetzt ist der Arbeiter- und Angestelltenbund der ÖVP wieder im Aufwind: Sein Papier gilt als „zentral“ in der parteiinternen Debatte, die im Herbst in ein neues, gemeinsames Bildungskonzept der ÖVP münden soll. Der ÖAAB will die Hauptschulen zu „Aufstiegsschulen“ aufwerten, die Schüler sollen aber weiterhin mit zehn Jahren getrennt werden.

Als einzige reelle Alternative zum ÖAAB-Entwurf immer höher im Kurs steht parteiintern dem Vernehmen nach eine Aufwertung der Länder: Gelingt eine breite Verwaltungsreform, dann sollen die Länder aus Wien „Geld pro Schüler“ bekommen. Und sie selbst sollten dann entscheiden, welche Schulformen sie umsetzen. Für Wien, wo es aktuell die größten Probleme mit der Trennung in Gymnasien und in (Migranten-)„Restschulen“ gibt, könnte dann auch flächendeckend die Gesamtschule kommen, sagen Insider.

Noch tüftelt man, wie eine „Verländerung“ des Systems genau ausschauen könnte oder müsste, damit Schüler auch problemlos zwischen Bundesländern und Schulsystemen wechseln können. Der einfache Um- und Aufstieg müsste garantiert sein. Der Bund wäre bei einem solchen Modell nur noch für die schriftliche Zentralmatura und für die Bildungsstandards verantwortlich, die in den Ländern erfüllt werden müssten.

Nur noch offiziell leite Ministerin Karl unter diesen Vorzeichen die ÖVP-Bildungsdebatte bis Herbst, heißt es mehrfach. In der ÖVP werde ihre Rolle teils stark „angezweifelt“. In ihrem Kabinett soll sie aber ausgerechnet ein Ko-Mastermind des „Gymnasiums für alle“ fördern: Ihr Pressesprecher Peter Puller soll Büroleiter werden. Der jetzige, Elmar Pichl, wird mit 1.August provisorisch Vize von Sektionschef Friedrich Faulhammer. Nach der Ausschreibung im Herbst könnte Pichl endgültig wechseln. Und Puller aufsteigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2010)