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Wie geht's? So gefragt geht es mir schon schlecht

Man trifft sich, bleibt kaum stehen und fragt ...
Man trifft sich, bleibt kaum stehen und fragt ...(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Nur kurz hatte die allzu beliebte Grußformel ihren hohlen Klang verloren, jetzt macht sie wieder ratlos. Da loben wir uns andere Sprachen.

Wie weise sind sie doch im fernen Osten! Chinesen begrüßen sich mit der Frage „Haben Sie schon Reis gegessen?". Es wäre verfehlt, darin die Einladung zu einem gemeinsamen Mahl zu sehen. Auch wer versucht ist, wahrheitsgemäß mit „Nein" zu antworten, sollte sich auf die Zunge beißen – es läge darin eine grobe Unhöflichkeit, auf einer Linie mit „Lassen Sie mich gefälligst in Ruhe". Die einzig akzeptable Antwort lautet „Ja", völlig unabhängig von den Fakten. Ähnlich verhält es sich, wenn Filipinos, Thais oder Koreaner zur Begrüßung „Wohin gehst du?" fragen. Jeder gesittete Mensch reagiert darauf nur mit „Dorthin", allenfalls begleitet von einem vagen Wacheln mit der Hand. Womit ganz klar ist, dass diese Floskeln rein rhetorischen Charakter haben. Glückliche Asiaten!