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Literatur

Georg-Büchner-Preis geht an Lyrikerin Elke Erb

Die Autoren Elke Erb (li.) und Lojze Kovacic (Ljubljana) vor der Lesung Literatur aus Slowenien.
Die Autoren Elke Erb (li.) und Lojze Kovacic (Ljubljana) vor der Lesung Literatur aus Slowenien.(c) imago images/gezett
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Die 82-jährige einstige DDR-Lyrikerin ist auch in Österreich schon hochgeehrt. Nun bekommt sie den wichtigsten deutschsprachigen Literaturpreis.

Denkt man in Österreich an Elke Erb, denkt man unweigerlich auch an Friederike Mayröcker. Die beiden Lyrikerinnen schätzen einander seit vielen Jahren, sind auch gemeinsam aufgetreten – etwa vor fast einem Vierteljahrhundert auf einer Literaturwerkstatt in Berlin, wo Erb der österreichischen Kollegin mit dem rauen Witz Reverenz erwies, für den sie bekannt ist: „Aufrichtig – Veritas – wie die Nähmaschine“, charakterisierte sie Mayröcker damals. 2013 erhielt sie den Ernst-Jandl-Preis, deren Jury Mayröcker angehört.

Jetzt bekommt Erb mit 82 Jahren den Büchner-Preis, die prestigeträchtigste literarische Auszeichnung im deutschen Sprachraum. Geliebt wird ihre Lyrik für die Kunst, „Wörter zum Tanzen zu bringen“, wie es ein Rezensent einmal ausdrückte, sie zu betasten, bis sie zu sprechen beginnen, stets an Alltagssituationen entlang. Ihre Gedichte erwachsen in der Regel aus Tagebuchnotizen.

Schreiben in Berlin und einem sächsischen Dorf

Heute lebt Erb in Berlin und im sächsischen Dorf Wuischke, ihre Jugend verbrachte sie in der damaligen DDR-Stadt Halle an der Saale. Dort studierte sie Germanistik und Slawistik, was sich auch literarisch niederschlug: Sie übersetzte immer wieder russische Autoren, dichtete auch russische Poesie nach.

Der Suhrkamp Verlag hat den Erscheinungstermin einer umfangreichen Neuausgabe ihrer Gedichte nun vorgezogen. Das Buch wird am 19. Oktober erscheinen und damit noch vor der Preisverleihung am 31. Oktober durch die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Seit 1923 vergibt diese Institution den (heute mit 50.000 Euro dotierten) Preis; zuletzt hat sie den Schweizer Lukas Bärfuss gekürt, davor die in Berlin lebende Terézia Mora.

Nur höchste literarische Qualität zählt für diese Jury, ohne Rücksicht auf Zeitgeist und „Lesbarkeit“. Das spiegelt auch die Liste österreichischer Preisträger wieder: Ingeborg Bachmann, Handke, Jandl, Artmann, Jelinek, Josef Winkler – und Friederike Mayröcker.

(red./APA)