Wirecard

Der meistgesuchte Manager: Wie tickt Jan Marsalek?

Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek ist der international meist gesuchte Manager. Ein sehr smarter, höchst talentierter Mann. Aber kein großer Sympathieträger.

Eine Mutter sagt über ihren erwachsenen Sohn, er sei arrogant und angeberisch. Er habe sich schon als Jugendlicher über nicht genehme Spielregeln hinweggesetzt. Und wenn es Ärger gab, habe er stets die Flucht ergriffen. Aussagen im Affekt, im Streit? Nein, besagte Mutter gibt alles ganz offiziell, in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, zu Protokoll. Das ist, zurückhaltend formuliert, ungewöhnlich. Andererseits: Was ist in dieser ganzen Geschichte schon nicht ungewöhnlich? Es geht um die absolut irren Ereignisse rund um den Bilanzskandal bei Wirecard. Und jener Sohn, über den so Unvorteilhaftes mit der Öffentlichkeit geteilt wird, ist Jan Marsalek. Genau: Jener mittlerweile fristlos entlassene Wirecard-Vorstand, der es vorzog, abzutauchen. Jener Mann, nach dem schon seit Wochen fieberhaft gefahndet wird. Jenes Phantom, dem sogar zugetraut wird, russischer Spion gewesen zu sein. Und nicht zuletzt: Jener Österreicher, der als möglicher Organisator des mutmaßlichen Bilanzbetrugs bei Wirecard gilt.

Jan Marsalek ist der weltweit meist gesuchte Manager. „Ich kann mir vorstellen, dass ihm das sogar gefällt“, sagt seine Mutter dem „Spiegel“. Man weiß es nicht. Wie über Jan Marsalek überhaupt herzlich wenig bekannt ist. Es gibt von ihm keine Videos, was für einen Manager, dessen Konzern immerhin im deutschen Leitindex Dax gehandelt wird, doch einigermaßen ungewöhnlich ist. Recherchen bei Wirecard-Mitarbeitern sind auch nicht sonderlich ergiebig. Die meisten haben ihn nie zu Gesicht bekommen. Einer, der Marsalek einmal bei einem Meeting erlebt hat, muss ebenfalls abwinken: Marsalek sei dort nur schweigend gesessen, habe in seinen Laptop gestarrt und dann die Sitzung wieder grußlos verlassen.

Merke: Sympathiepunkte waren Marsalek offenbar nicht immens wichtig.