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Wie Kik zum Vorbild werden kann

Die PR-Katastrophe der deutschen Textilkette jagt anderen Herstellern hoffentlich einen heilsamen Schrecken ein.

Der Textildiskonter Kik ist plötzlich ganz kleinlaut. Nach Enthüllungen über Niedrigstlöhne, miserable Produktionsbedingungen in Bangladesch und Bespitzelung der Mitarbeiter gelobt das Unternehmen nun Besserung. Man werde künftig „sichere Arbeitsplätze mit Perspektive“ bieten.

Das kann man glauben oder auch nicht. Ähnliche Beteuerungen gab es schon öfter. Aber vielleicht sitzt der Schock diesmal tief genug.

Eigentlich sind die Kik-Praktiken keine große Überraschung. Wer T-Shirts um einen Euro und Jeans um weniger als zehn Euro verscherbelt, kann kein großherziger Arbeitgeber sein. Auch Billigstware hat ihren Preis, und irgendjemand muss ihn zahlen. Die Strategie für den mündigen Konsumenten wäre in diesem Fall klar: Hände weg von Diskontern, die mit völlig irrationalen Preisen werben.

Leider ist die Sache nicht ganz so einfach. Auch teure Markenartikler lassen in Entwicklungsländern fertigen – zu Bedingungen, die vielleicht nicht besser sind als jene der Kik-Lieferanten. Das sympathische i-Phone von Apple etwa wird in China produziert, und zwar ausgerechnet von jener Firma, die wegen einer Selbstmordserie unter ihren Arbeitern berühmt wurde.

Mehr Kontrollen wären gut, werden das Problem aber wohl nicht lösen. Bleibt die Hoffnung, dass die PR-Katastrophe von Kik auch anderen Herstellern einen Schrecken einjagt. Dann wäre das Unternehmen wenigstens für irgendetwas gut. (Bericht: Seite 17)


rosemarie.schwaiger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2010)