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Staatsoper

Bogdan Roščić und Philippe Jordan kündigen neuen „Ring“ an

Zum Einstand sprach Philippe Jordan mit Bogdan Roščić über sein Buch „Der Klang der Stille“ und seine Pläne.

„Nicht immer einfach“, ja gar „furchtbar“ – so nannte Neo-Staatsoperndirektor Bogdan Roščić schmunzelnd die Verhandlungen mit Philippe Jordan: „Er hat mich monatelang hingehalten. Die Staatsoper war nachweislich nicht in seiner Lebensplanung.“
Wie genau die schließlich doch vereinbarte Zusammenarbeit mit dem neuen Musikdirektor aussieht, die in der fünften Saison in einem neuen und kompletten „Ring des Nibelungen“ mit Jordan am Pult gipfeln wird, kam am Donnerstag Nachmittag im Zuge der Präsentation von Jordans Buch „Der Klang der Stille“ zur Sprache.
Klar sei schon jetzt: „Wir haben sogar festgelegt, was wir machen, wenn einmal etwas schief läuft zwischen uns“, sagt Roščić – und fügt augenzwinkernd hinzu. „Das soll ja hier nicht immer so gewesen sein.“

Jordan selbst nannte sich einen „wichtigen Berater, der aufgrund seines Wissens seine Meinung kundtut. Ich treffe die Entscheidungen nicht, aber es soll über alles gesprochen werden.“ Seine Dirigate hat er gemeinsam mit Roščić schon festgelegt, wobei es auch „Gastdirigenten gibt, die wir ans Haus binden möchten und denen ich auch Stücke, die ich selbst gerne machen würde, überlassen habe.“

Interessiert zeigte sich Roščić im Zwiegespräch vor Journalisten an Jordans Einstellung zu Regisseuren: „Das Wichtigste für mich ist, dass sich ein Regisseur nicht vor das Stück stellt, sondern aus dem Stück heraus arbeitet und eines wählt, das ihm liegt“, so Jordan. „Ich dirigiere auch nicht die Fünfte Bruckner, wenn ich keinen Zugang gefunden habe. Denn es geht darum, was jemand herausliest. Ich mag die Diskussion über modernes oder museales Theater nicht. Es gibt nur gutes und schlechtes Theater.“
Roščić ließ heraushören, dass er sich gerade um Jordan bemüht habe, weil dieser auch auf symphonischem Gebiet tätig ist. Und auch dieser ist der Meinung: „Wenn man ausschließlich Oper macht, ist man nur ein halber Dirigent. Wie will man einen ,Ring‘ machen, wenn man die Neunte Beethoven nicht gemacht hat?“ Innerhalb des Opernbetriebs sei es ihm wichtig, die ganze Bandbreite des Repertoires abzudecken. „Es gehört zu unserem Beruf, alles spielen zu können, ich finde, man sollte sich da nicht einschränken.“ Wobei Repertoirebetrieb unter der neuen Direktion etwas anders interpretiert werde als in den Jahren zuvor.

Roščić: „Wir bringen weit weniger Produktionen pro Saison als unter meinem Vorgänger und suchen so nach einem zeitgenössischen Ausdruck dessen, was ein Repertoirehaus sein kann.“ Auch die Veränderungen im Ensemble, das deutlich kleiner wurde, nannte er „eine große Umwälzung, die wir gemeinsam entschieden haben. Wir haben gute neue Sänger gebracht und gute vorgefunden. Es ging auch um die pragmatische Frage, wie groß ein Ensemble überhaupt sein muss“, so Roščić.

Für Philippe Jordan ist der Schritt von der Pariser zur Wiener Oper jedenfalls ein „Nachhausekommen in das System, in dem ich groß geworden bin, das aber auch deutlich mehr Flexibilität braucht. Gleichzeitig ist das die große Stärke des Hauses.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2020)