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Ein Museum für Schachspieler Bobby Fischer

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Island nahm den Steuerflüchtling Bobby Fischer auf und baute ein Museum.

Wenige Persönlichkeiten haben das Schachspiel so geprägt wie der Amerikaner Bobby Fischer (1943–2008). Garantiert ist auch niemand auf ähnlich genial-paranoide Art verrückt geworden wie dieser Ausnahmekönner. Dass er sich skeptisch bezüglich der Authenti­zität des Holocausts äußerte oder die 9/11-Anschläge lobte, gehörte nur zum Gesamtbild eines unangenehmen und für Verschwörungszeug anfälligen Kerls, der sich mit allen überwarf. Gegen Ende seines Lebens wollte ihn niemand mehr. In seiner Heimat wartete ein Prozess auf ihn (Steuerhinterziehung). Japan, das Land seiner Frau, wagte nicht, ihn aufzunehmen.

Allein Island erwies sich als strikt Fischer-loyal. Nicht umsonst war er 1972 in Reykjavík im spektakulärsten WM-Duell aller Zeiten gegen Boris Spasski Weltmeister geworden. Den Titel verteidigte er nie. Selbst hielt er sich jedoch, als Ungeschlagener, zeitlebens für den amtierenden Weltmeister. Island räumte ihm ab 2005 Asyl ein, „ohne seine politischen Ansichten zu teilen oder gutzuheißen“, wie der Außenminister festhielt.
Drei ältere Männer, darunter Museumsdirektor Gunnar Finlaugsson, 72, beugen sich gerade über eine Partie, als ich das Bobby-Fischer-Museum in Selfoss, Südwestisland, betrete. Sie nehmen kaum Notiz von mir.
Schließlich heben sie doch die Köpfe. „Gelegenheitsspieler“, erkläre ich, „inte­ressiere mich für die Geschichte des Schachs.“ Die drei nicken. „Ich hab höchstens 1500 ELO-Punkte“, sage ich bescheiden, Ermunterung erhoffend. Einer hüstelt belustigt. Ein kühl-mit­leidiges Lächeln überzieht jetzt ihre Gesichter.

Gunnar Finlaugsson führt mich dann doch – er ist ein charmanter Gastgeber – durch die Devotionaliensammlung. Er zeigt mir ein Schachbrett, das er einst gemeinsam mit seinem Bruder schnitzte. Er zeigt mir den Staatsbürgerschaftsbrief Fischers, die Replika der Siegespokale, die Nachdrucke der Original­poster. Vor allem weist er mich aber auf einen klapprigen Sessel hin. Früher stand dieser im Antiquariat Bókin Books, Klapparstígur 25, in Reykjavík. Bobby Fischer, der sich dort wohlfühlte, saß fast täglich auf ihm.