Bei der Ausstattung werden keine Abstriche mehr hingenommen.
Kurzzeitwohnen

Neue Ansprüche an die gehobenen Domizile auf Zeit

Es geht für die Branche wieder aufwärts – flexibel und kontaktlos.

Sie beherbergen zumeist Expats und auswärtige Projektleiter oder Künstler mit Engagement – und hatten entsprechend ab Mitte März ein Problem. Zwar waren die Anbieter von Kurzzeit-Apartments nicht wie Hotels von Schließungen betroffen, da sie keine touristische Dienstleistung anbieten, aber das Ausbleiben der internationalen Geschäftskunden oder auch nur temporärer Mieter aus den Bundesländern hat sie ähnlich schwer getroffen.

Tiefpunkt mit Verzögerung

Allerdings mit etwas Verzögerung, wie Markus Müllegger, Geschäftsführer von Vienna Residence, die rund 120 Apartments in Wien vermitteln, berichtet: „Anfangs hatten wir noch einen etwas längeren Atem als die Hotels, weil viele unserer Kunden Monatsverträge hatten und manche, wie etwa Botschaftsangehörige, ja nicht ausreisen konnten“, berichtet er. Am schlimmsten sei es dann im Mai geworden, als ein Großteil der Verträge ausgelaufen war „und dann nichts mehr kam“, bringt er es auf den Punkt. Ähnliches berichtet Annemarie Niehsner, Geschäftsführerin von Business-Apartments Wien, die mit 21 Apartments zu den kleineren Anbietern gehört. „Besonders schwierig war die Situation dort, wo die Mieter nicht ausgezogen waren“, fügt sie hinzu. Denn einige seien kurz vor dem Lockdown noch ganz normal übers Wochenende nach Hause gefahren und konnten dann zum Teil nicht mehr zurück. „Da haben wir dann zunächst zugewartet, aber irgendwann im April hieß es dann, wir mögen doch bitte die Sachen zusammenpacken“, erzählt sie.

„Besonders schwierig war die Situation dort, wo die Mieter nicht ausgezogen waren.“

Annemarie Niehsner

Was eine recht aufwendige und auch ungewohnte Aufgabe war, da „teilweise noch die Schmutzwäsche in den Wohnungen lag und wir natürlich alles fotografiert haben“, erinnert sie sich an die organisatorischen Herausforderungen, die zu den finanziellen hinzu kamen. „Wir sind einerseits unseren Eigentümern gegenüber in der Verantwortung, wollten aber auch unseren Kunden kulant entgegenkommen“, beschreibt Niehsner die Zwickmühle, in der sich die Vermittler befanden. Zumal die Kosten durch die zusätzlichen Hygienemaßnahmen, die alle Vermieter in dieser Zeit anbieten mussten, weiter in die Höhe gingen – und die Umsätze mächtig nach unten. „In Österreich lagen wir zeitweise 50 bis 60 Prozent unter Vorjahr“, berichtet Dustin Figge, CEO und Gründer der deutschen Homelike, die 2017 auf den heimischen Markt gekommen ist und inzwischen landesweit um die 5000 Apartments fast ausschließlich an Geschäftskunden vermietet.

Die Lage ist weniger bedeutsam als früher, dafür sind Ausblicke und Freiräume wie Terrassen, Balkone oder Gärten in der Gunst gestiegen.
Die Lage ist weniger bedeutsam als früher, dafür sind Ausblicke und Freiräume wie Terrassen, Balkone oder Gärten in der Gunst gestiegen.vienna residence

Mehr Stornomöglichkeiten

Seit Juni geht es jedoch für die Branche langsam wieder nach oben. „Inzwischen haben wir fast wieder Vor-Corona-Niveau erreicht“, sagt Figge, und Müllegger berichtet ebenfalls von einer positiven Entwicklung. „Zwischen Juni und August hatten wir um die 60 Prozent Auslastung, im September liegen wir jetzt wieder bei 65 Prozent“, berichtet der Vermittler. Was allerdings immer noch unter dem Vorjahresniveau liegt, in dem eine durchschnittliche Auslastung von 75 bis 80 Prozent gegeben war. Auch das Geschäft selbst hat sich verändert, erzählen die Vermieter. Ganz oben auf der Liste der Prioritäten steht jetzt das Thema Flexibilität: „Derzeit bieten wir bis zu zwei Nächte vor Anreise noch die Möglichkeit einer kostenlosen Stornierung“, berichtet Müllegger von der Regelung, die jetzt auch bei Homelike Standard ist. „Vor Corona haben 40 Prozent der Anbieter in Österreich das gar nicht erlaubt“, erläutert Figge das Ausmaß der Veränderung.

„Inzwischen haben wir fast wieder Vor-Corona-Niveau erreicht.“

Dustin Figge

Das andere große Thema ist die möglichst kontaktlose Abwicklung des Miet-Prozesses. „Wir bieten den Kunden jetzt zusätzlich kontaktlose Besichtigungen an, bei denen sie ein Mitarbeiter von uns per Video-Telefonat durch die Wohnung führt“, erzählt Niehsner. Außerdem sind die Zeiten, in denen sich zumindest einige der Mieter noch darüber gefreut haben, wenn sie persönlich begrüßt wurden und gleich noch ein paar Tipps und Infos zur Umgebung bekamen, weitgehend vorbei. „Für den Check-in gibt es meist einen Schlüsselsafe“, berichtet Niehsner von den Wünschen der Kunden und auch Figge berichtet, dass 50 Prozent der Checks inzwischen kontaktlos stattfinden.

Mit Puffer und Masken

Das dritte große Thema bei den Kurzzeitvermietern ist natürlich wie fast überall derzeit die Hygiene, deren Standards alle Vermieter von Haus aus noch einmal erhöht haben. „Wenn es möglich ist, warten wir einen Tag ab, nachdem der Vormieter ausgezogen ist, und gehen dann überall mit Desinfektionsmittel durch und lüften gut“, berichtet Müllegger. Auch bei Homelike gibt es einen 24 Stunden-Puffer zwischen zwei Vermietungen, außerdem warten Desinfektionsmittel und Masken in der Wohnung auf den Kunden. „Und dann wird beim Verlassen der Wohnung auch noch die Türklinke desinfiziert“, verdeutlicht Niehsner, wie alles bis ins letzte Detail geplant wird.

vienna residence

Grün und Design gefragt

Auch bei den Ansprüchen an die Wohnungen selbst hat sich durch Corona einiges verändert. „Normalerweise ist die Lage das Allerwichtigste für unsere Kunden,“, so die Vermittlerin. „Derzeit ist aber die Nachfrage nach einem Balkon, einer Terrasse oder zumindest einem Park in der Nähe fast noch bedeutsamer – und dafür sind manche Kunden sogar bereit, einen anderen Bezirk in Betracht zu ziehen.“

Außerdem seien die Ansprüche an das Design gestiegen. Die Wohnungen mit der exklusivsten Ausstattung seien derzeit besonders gefragt und es werde dabei meist dezidiert darauf bestanden, dass es dann genau diese Wohnung ist. Von diesen Details abgesehen, geht es bei den Objekten nach wie vor darum, dass sie ein eigenständiges Leben während des Aufenthalts ermöglichen – also eine voll ausgestattete Küche, eine Waschmaschine und einen Trockner haben. „Sie sollen vor allem technisch alle Stückerln spielen, die es zum Arbeiten braucht, dazu gehört in erster Linie ein starker, stabiler WLAN-Anschluss. Wobei das Angebot derzeit etwas budgetfreundlicher ist, als es im High-End-Segment bis vor Kurzem noch war. Monatsmieten im fünfstelligen Bereich sind derzeit eher selten zu finden, berichtet Müllegger. „Da ist derzeit meist bei 7000 Euro der Plafond erreicht“, weiß der Vermieter. (SMA)

KURZZEITWOHNEN

Anders als die Hotels waren die Kurzzeitapartments nicht von den behördlichen Schließungen betroffen, da sie keine touristischen Betriebe sind. Die Wohnungen werden im Durchschnitt zwischen drei und sechs Monaten vermietet, mindestens aber für einen, um rechtliche Probleme rund um die gewerbliche Tages-und Wochenvermietung zu vermeiden.

Ein alternatives Modell ist der Betrieb eines ganzen Hauses.