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Der Weltkarten-Verzerrungseffekt

Verzerrt. So kennen wir sie alle: die Weltkarte, die in allen Schulatlanten zu finden war. Leider sind nur die Äquator-bereiche annähernd maßstabsgetreu.
Verzerrt. So kennen wir sie alle: die Weltkarte, die in allen Schulatlanten zu finden war. Leider sind nur die Äquator-bereiche annähernd maßstabsgetreu.(c) Getty Images (FrankRamspott)
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Wir verlassen uns auf verzerrte Weltkarten. Ein Japaner fand jedoch eine bessere Lösung.

Die dreidimensionale Kugel, über die wir spazieren, ist auf dem Papier schwer abzubilden. Wir alle kennen den Weltkarten-Verzerrungseffekt, Grönland als Scheinriesen. Diese Insel, flächenmäßig nur ein Vierzehntel Afrikas, wirkt fast ebenso groß. Annähernd maßstabsgetreu bleiben Äquatorbereiche, an den Rändern verzerrt sich alles. Allerdings kennt die Kartografie vielfältige Darstellungsformen. Der Klassiker, die Mercatorprojektion, geht auf ein Modell des flämischen Star-Kosmografen und Globenherstellers Gerhard Mercator (auch Gheert Cremer, 1512–1594) zurück. 1569 projizierte er als „Große Weltkarte“ die Kugel auf einen Zylinder. Aufgrund ihrer Winkeltreue hatte sie für die Seefahrt enorme Bedeutung. Heute setzen Giganten wie Google Maps auf sie.

Den Globus flachpressen? Völlig unmöglich, auf irgendwas müssen die Betrachter immer verzichten. Bei der Winkel-Tripel-Projektion (1921), einer frühen Kompromissvariante – die National Geographic Society baut auf sie –, wirken die Flächen natürlicher. Ab 1961 boomte die eher unverfälschte Robinson-Projektion, die jedoch Winkel und Flächen entstellt. Die Peters-Projektion (1974), flächen-, längen- und achsentreu, gab das eurozentristische Grundelement Mercators preis, Grönland wirkt hier zwar angemessen klein – leider sehen die Kontinente fremd ovalgesichtigellipsenhaft aus.

Doch dann kam Hajime Narukawa

Der 1971 in Kawasaki City geborene Architekt teilte den Globus in 96 Drei-ecke, übertrug sie in einen rechteckig entfaltbaren Tetraeder. So erhielt er wirklichkeitsnahe Flächen- und Größenverhältnisse. Jeder Punkt der Karte kann Zentrum sein, rechteckige oder pyramidale Globen werden möglich. Seine charmant zerknautschte Authagraph-Projektion (1999) erhielt Designpreise und wird in Schulbüchern verwendet. Sie regt unkonventionelle Sichtweisen an. Durch ihre Kachelungsfähigkeit ist es möglich, andere Regionen in den Fokus zu stellen, ganz wie es die Globalisierung ja längst tut. In Klimakatastrophenzeiten will man auch bei Grönland und der Arktis genauer hinsehen, während Europa oft Randphänomen bleibt.