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Randerscheinung

Die undankbarste Aufgabe heutiger Erziehungsarbeit

(c) Carolina Frank
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Wie hält man die Bildschirmzeit der Buben in einem verantwortbaren Rahmen - ohne sie dabei von ihren sozialen Kontakten abzutrennen?

Ich rufe also in Richtung Zimmer des Jüngsten, er möge dann bitte einmal langsam seine abendliche Online-Spiel-Session beenden. "Das wäre ja lächerlich", erhalte ich als Antwort, untermalt von den metallischen Skype-Stimmen seiner Freunde. "Was genau wäre lächerlich?", frage ich vorsichtig nach und stehe inzwischen neben ihm. "Wenn ich jetzt wirklich schon abdrehen müsste", meint er, ohne sein iPad und sein Handy aus den Augen zu lassen. Was folgt, ist die immer gleiche, aber nie selbe Debatte über Bildschirmzeiten im Allgemeinen und die seinen im Speziellen. Diese in einem verantwortbaren Rahmen zu halten, ohne die Kinder von ihren sozialen Kontakten abzutrennen, ist wohl die undankbarste Aufgabe heutiger Erziehungsarbeit.

Am Beispiel des Jüngsten: Erst vor einem guten halben Jahr hat er ein Handy des einstigen finnischen Weltmarktführers (verächtlich "Tastenhandy" genannt) bekommen, zusammen mit exklusivem Zugriff auf ein Tablet des derzeitigen kalifornischen Weltmarktführers erschien das ein gangbarer Weg. Mit Eintritt ins Gymnasium erwies sich dann aber ein Smartphone als unumgänglich (siehe unter "soziale Kontakte ermöglichen" oben). Seither stürmt die Außenwelt über alle drei Devices auf uns ein, dazu ist nach dem Auszug der beiden Älteren eine Playstation mit Onlineaccount stehen geblieben.

Der Mittlere ist übrigens von seinem Handy so gut wie gar nicht zu trennen, wozu es extra auf Vibrieren gestellt ist, habe ich nicht verstanden, denn es vibriert ohnehin durchgehend. Für mich erreichbar ist der Bub aber nicht so ohne Weiteres. Der Älteste ist da weit disziplinierter, wenn er lernt, schaltet er das Handy aus, ist oft erst am Abend erreichbar. Auch für Nichtväter, wie ich höre. Alles andere wäre auch lächerlich...

(Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 2.10.2020)