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Personal wie anno dazumal ist nicht mehr leicht zu finden.
Diskretion & Vertrauen

Downton Abbey lässt grüßen: Von alten und neuen Ansprüchen an Haushaltshilfen

Welche Anforderungen in gehobenen Haushalten und bei Adelsfamilien an gutes Personal gestellt werden. Und an Dienstgeber.

Selten ist keimfrei so gefragt gewesen wie heuer – und das gilt nicht nur für zweckmäßig abwaschbare Einrichtungen, sondern auch für jene Häuser, in denen Antiquitäten stehen, auf feinstem Leder gesessen wird und der Kristallluster sauber gehalten werden will. Naturgemäß nicht vom Besitzer selbst, sondern von qualifiziertem Personal, das weiß, wie der Hut der Herrschaft nach dem Tragen geputzt und verstaut wird oder wie man so diskret wie möglich den Knopf im Privatlift desinfiziert, nachdem die Chefitäten ihn gedrückt haben.

Dieses Personal ist heute – wie der alte Stoßseufzer sagt – nicht mehr leicht zu finden. „Wir werden eigentlich immer über einen Recruiter vermittelt“, berichtet Manuela Aigner, die seit vielen Jahren in „sehr gehobenen Haushalten und bei Adelsfamilien“ in Österreich als Haushälterin arbeitet. Zwar sei es seit Corona ein wenig offener geworden, aber das Gros der gesuchten Kräfte werde nach wie vor von diesen Headhuntern in die Familien vermittelt.

"Diskretion ist das Allerwichtigste, denn der Markt ist so klein, dass sich alle untereinander kennen."

Denn schließlich gehe es neben den fachlichen Kompetenzen um Diskretion und das Vertrauen, das man einem Mitarbeiter entgegenbringen muss, der in die tiefsten privaten Sphären eindringt. „Diskretion ist das Allerwichtigste, denn der Markt ist so klein, dass sich alle untereinander kennen. Wir müssen alle eine Verschwiegenheitsklausel unterschreiben“, so Aigner. „Wenn man dann – wie jene Haushälterin eines Politikers, die vor Gericht aussagen musste – Details preisgibt, geht das wie ein Lauffeuer herum und der Ruf ist ruiniert.“

Staubwedel aus Straußenfedern

Mindestens ebenso wichtig sind die Kenntnisse, was wie oder ob überhaupt geputzt werden darf. „Das beginnt mit der fachgerechten Reinigung von Naturhölzern und -steinen über hochwertiges Leder bis zu Seidenvorhängen und -teppichen oder Zebrafellen“, zählt Claudia Schlegel, Geschäftsführerin des Trainingsinstituts Miss Perfect und der Personalvermittlung Butler Bureau, die Grundkenntnisse auf, die in den Häusern der oberen Zehntausend erwartet werden. Denn herkömmliche Putzmittel sind oft ebenso verpönt wie alles andere Gewöhnliche. „Am besten ist es natürlich, wenn man auf die Pflegehinweise des Herstellers zurückgreifen kann“, erklärt sie, „etwa, welche spezielle Holzseife ein Boden braucht.“

Aber auch Allgemeinwissen ist gefragt, zum Beispiel, was zu tun ist, wenn Zitronensaft auf Marmor trifft – nämlich mit Salz und Öl gegen den Fleck vorzugehen. Antiquitäten dürfen dagegen nur trocken behandelt werden, mit hochwertigstem Werkzeug, wie Schlegel verrät: „Für Staubwedel liebe ich Straußenfedern, weil sie so fein sind. Außerdem gehört ein Naturhaarpinsel in jeden Haushalt.“ Und so wenig Chemie wie möglich, so Schlegel, die in ihrem Institut auf ein chemiefreies System setzt. „Denn auch wenn die Kunden derzeit besonders auf das Thema Hygiene und Sauberkeit sensibilisiert sind, muss alles so verträglich wie möglich sein“, betont sie.

Wie im Sternehotel

Wobei die Ansprüche so individuell wie die Herrschaften selbst und die verschiedenen Wohnsitze sind. „Wir legen mit jedem Kunden, für den wir einen Reinigungsservice organisieren, in einem Welcome-Gespräch fest, was täglich, was wöchentlich und was vierzehntägig gereinigt wird“, berichtet Katrin Veigl, Inhaberin des Concierge Service William, der einerseits Luxuswohnanlagen wie den Börseplatz 1 oder das The Ambassy betreut, aber auch für private Familien tätig ist.

Zu den täglichen Klassikern gehören Bäder, Küchen, Betten und Böden – einmal im Monat ist dagegen eine Grundreinigung sowie das Lüften und Wasseraufdrehen gefragt, wenn die Eigentümer länger an einem anderen Wohnsitz sind. „Im Grunde ist es ein ähnliches System wie in einem Sternehotel, in dem eine Vorlage abgearbeitet und von der Hausdame oder dem Concierge stichprobenartig kontrolliert wird“, erklärt Veigl. Auch den bekannten Ängsten von Arbeitgebern, die Fremde in ihr Haus lassen, wird mit Kontrollen entgegengewirkt.

"WhatsApp statt Klingelzug: Kommunikation verändert sich auch hier."

Einstige Schreckgespenster wie die Haushaltshilfe, die in Abwesenheit das Gewand der Chefitäten anprobiert oder edle Schaumbäder nimmt, haben sich in Zeiten der Kameraüberwachung ohnehin erledigt. Zumal man mit der Zeit auch ein Vertrauensverhältnis aufbaut, da Wert darauf gelegt wird, immer mit derselben Reinigungskraft zu arbeiten – die über die Materialkunde hinaus qualifiziert sein muss. „Unsere Damen sprechen alle Deutsch und Englisch“, so Veigl, „und sind natürlich adrett gekleidet.“ Qualifikationen, die sich klarerweise in der Entlohnung niederschlagen. „Der kollektivvertragliche Mindestlohn liegt bei 23 Euro brutto pro Stunde“, so die Unternehmerin, „im gehobenen Bereich werden meist zwischen 25 und 32 Euro pro Stunde gezahlt.“

Saugroboter und App-Nachricht

Und das zumeist ohne Murren, denn was für den Ruf der Haushaltshilfen gilt, gilt auf diesem kleinen Markt auch umgekehrt: Wer seine Mitarbeiter schlecht behandelt oder bezahlt, erwirbt sich ebenfalls einen schlechten Ruf, der es noch schwieriger mache, „gutes Personal zu finden. Wenn man sieht, dass jemand schon wieder sucht, dann weiß man natürlich auch, was das bedeutet“, verrät Aigner, die ihre Tätigkeit als Haushälterin auch nach vielen Jahren mit Begeisterung ausübt: „Es ist ein schöner und interessanter Beruf, weil man mit Menschen zu tun hat, die sich sonst nicht im sozialen Umfeld befinden.“ Und mit immer neuen Herausforderungen, denn die Aufgaben und Kommunikationswege verändern sich auch hier ständig.

„Das beginnt mit den Staubsaugerrobotern, die inzwischen überall eingesetzt werden und hört mit der Frage, wie man ein Elektroauto pflegt, nicht auf“, weiß Schlegel. „Und wie die Materialien auf der Jacht zu pflegen sind, ist noch einmal ein ganz eigenes Thema.“ Denn nicht alle, aber doch einige schätzen es, wenn das vertraute Personal mit auf Reisen geht. Was vielleicht weniger aufregend sei, als es klinge, denn in der Ferienvilla oder auf der Jacht bleiben die Aufgaben häufig die gleichen, so Aigner.

"Und wie die Materialien auf der Jacht zu pflegen sind, ist noch einmal ein ganz eigenes Thema."

Verändert haben sich in den letzten Jahren die Kommunikationswege. Wo einst in Downton Abbey die Klingelzüge die Wünsche der Herrschaft kundgetan haben, hat nun WhatsApp übernommen. „Denn man bemüht sich, seine Arbeit so unsichtbar und unaufdringlich wie möglich zu machen“, erklärt Aigner. Und wenn man Feedback braucht, schreibt man eine WhatsApp – und bekommt entweder darüber eine Antwort „oder die Herrschaft schreibt ‚Kommen’s her‘“, berichtet die Haushälterin. Wobei manchmal über die Jahre durchaus persönliche Beziehungen entstehen und schon einmal Tränen fließen, wenn man ein Haus verlässt. Was womöglich auch mit der goldenen Regel zu tun hat, an die sich Aigner immer gehalten hat: „Am besten man stellt nie etwas infrage. Wenn der Arbeitgeber etwas möchte, dann wird es genauso gemacht – Punkt. Das ist schließlich mein Job.“