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Prozessoren

Jetzt macht's Apple selbst

(c) REUTERS (ANDREW KELLY)
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Apple trennt sich vom langjährigen Prozessorlieferanten Intel und entwickelt diese künftig selbst. Mit dem M1 beschreitet Apple in vielerlei Hinsicht neue Wege.

Ein Apple-Event jagt das nächste. Kaum sind die neuen iPhones in den Verkaufsregalen gelandet, gilt die gesamte Aufmerksamkeit den Macintosh-Rechnern. Was bereits im Juni auf der Entwicklermesse angekündigt worden ist, setzt Apple jetzt um: Mit Intel ist Schluss. Gemäß der Devise: Wenn man es ordentlich haben will, muss man es selbst machen. Nach 15-jähriger Zusammenarbeit übernimmt Apple die Entwicklung der Prozessoren selbst. Was bedeutet das für Mac-Nutzer?

Erfahrung hat Apple damit bereits reichlich. Seit 2012 entwirft der Konzern die Prozessoren basierend auf der ARM-Architektur für seine iPhones und iPads selbst. Und das erfolgreich. Hinsichtlich Geschwindigkeit und Effizienz zählt Apple zu den Marktführern.

Schneller, besser, ausdauernder und sicherer. Das alles soll der M1 mitbringen. Bei dem Prozessor handelt es sich um einen 64-Bit-SoC (System on a Chip). Auf den kleinen Chip wird alles gepackt, was einen Rechner so ausmacht: CPU, GPU, Neural Engine und die „Secure Enclave“, in der unter anderem die heiklen Kreditkarteninformationen oder biometrische Daten abgeschottet von außen gespeichert werden.

Vollmundige Versprechen. Selbst der Arbeitsspeicher ist nicht mehr als Riegel angehängt, sondern integraler Bestandteil des SoC. Somit greifen künftig GPU und auch CPU auf den gleichen Arbeitsspeicher zu. Apple nennt das „Unified Memory“. Das bedeutet, dass alles im selben Speicherpool abläuft, wodurch eine deutliche Leistungssteigerung möglich sein soll. Es hat aber auch zur Folge, dass weder der Arbeitsspeicher noch die SSD getauscht werden können.

Der M1 sorgt außerdem für die beste Akkulaufzeit. Und: der M1 sei schneller als die Chips in 98 Prozent der im vergangenen Jahr verkauften Laptops, hieß es in der Keynote. Konkrete Vergleiche bleibt man aber schuldig. Solche vollmundigen Ankündigungen kennt man sonst von Huawei. Oft genug haben sich die Chinesen damit aber auch schon in die Nesseln gesetzt. Obwohl erste Benchmark-Tests das Selbstvertrauen Apples untermauern. Dabei schlägt der M1 den Intel Core i9 deutlich. Jene CPU, die in der Pro-Version bislang zum Einsatz kam.

Alles aus einer Hand. Unabhängig davon, um wie viel besser sich der neue M1 schlägt: Der Wechsel hat einen entscheidenden Vorteil. Von der Hardware über die Firmware bis hin zu Betriebssystem und den Apps kommt jetzt alles aus einer Hand. Damit können die Komponenten ideal aufeinander abgestimmt werden.

Und Drittanbieteranwendungen? Dafür steht der Emulator Rosetta 2 bereit. Jede Intel-Anwendung, die sich an die Apple-Richtlinien von Apple hält, läuft auch auf dem M1 mit ARM-Architektur.

Wer sich vom iPhone bis hin zum Mac in der Apple-Sphäre bewegt, wird diese Vorzüge voll ausnützen können. Die vollständige Transformation werde aber noch ein paar Jahre in Anspruch nehmen, betonte Tim Cook. Zum Start stehen aber drei bereits bekannte Geräte schon jetzt mit dem M1 zur Auswahl: der MacMini, das MacBook Air und die Pro-Variante (beide 13 Zoll). Auf äußerliche Veränderungen wartet man vergebens, sowie auf ein Upgrade der 720p-Kamera. Immerhin verspricht Apple hier eine verbesserte Bildverarbeitung. Auf Thunderbolt 4 müssen Apple-Nutzer weiterhin warten. Und für Gamer die schlechte Nachricht am Schluss: Externe Grafikfestplatten werden künftig nicht mehr unterstützt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2020)