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Parfumkolumne

Riechstoff: Die kostbare Wurzel

Kussfest. "Iris Malikhân" von Maison Crivelli, 100 ml um 180 €, und "Lipstick Fever" von Juliette Has a Gun, 100 ml um 110 €.
Kussfest. "Iris Malikhân" von Maison Crivelli, 100 ml um 180 €, und "Lipstick Fever" von Juliette Has a Gun, 100 ml um 110 €.Beigestellt
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Mit Reispuder und Iriswurzel parfümierte man die Perücken in einer Zeit, als, nun ja, Perückenhygiene über weite Strecken eine Angelegenheit des Bedüftelns war.

Das Bild vorm inneren Auge, wenn von pudrigen Parfumnoten die Rede ist: Kapitonnierter Samt, Louis-XVI-Möbel, Brokatvorhänge, Opernlogen. Worum es eigentlich geht: Reispuder und Iriswurzel - damit nämlich parfümierte man die Perücken in einer Zeit, als, nun ja, Perückenhygiene über weite Strecken eine Angelegenheit des Bedüftelns war. Den Boudoirgeruch übernahm man später für die Duftnote, mit der handelsübliche Lippenstifte ausgestattet wurden. Irisnoten gehören natürlich auch markant zu edlen Parfumkompositionen (Chanel "N'5" oder "Joy" von Patou), weshalb die Opernlogenassoziation auch wieder nicht ganz falsch ist.

Das neue Parfum "Lipstick Fever" von Juliette Has a Gun zitiert nun eine ganze Iris-Veilchen-Beerendufttradition und gesellt sich zu Kreationen wie "Replica Lipstick on" von Margiela, "Rossetto" von Prada oder "Lipstick Rose" von Frédéric Malle. Eine wenngleich wenig überraschende, so doch nostalgisch stimmige Iris-Lippe.

Viel knackiger und weniger gefällig ist "Iris Malihkân" von Marc Zini für das Pariser Maison Crivelli: Schneidende grüne Noten im Anfangsakkord nehmen der Iriswurzel alles Behäbige und machen sie fast ungemütlich. Bis sich wärmere Noten entfalten, Vanille und Amber zum Beispiel, bleibt der Duft verstörend. Kein einfacher Begleiter, der aber vorführt, wie vielseitig sich die kostbare Wurzel einsetzen lässt.

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Fotos: Patrick Parchet, Paula Beetlestone, beigestellt.