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Die Ich-Pleite

Jetzt auf Partnersuche?

Carolina Frank
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Wie flirtet man in Mund-Nasen-Schutz-Zeiten?

Ich mache mir ein bisschen Sorgen um die Menschen, die gerade jetzt auf Partnersuche sind. Ich möchte keine Namen nennen. Zum ersten Date muss man sich auf einer Parkbank oder in einem Haltestellen-Häuschen treffen. Später, wenn's kälter wird, vielleicht in einer Shoppingmall oder einem Bahnhof. Okay, vielleicht überspringt man aus Angst vor einer Erkältung sogar die normale Annäherungsphase und trifft sich gleich in den eigenen vier Wänden. Womöglich gibt es sogar Coronaehen, die, eilig geschlossen, nach dem Lockdown wieder geschieden werden.

Aber wie flirtet man in Mund-Nasen-Schutz-Zeiten? Mit dem berühmten Dreiecksblick, der zwischen den Augen und dem Mund hin- und herwandern soll, um am Gegenüber Interesse wahrzunehmen, wird es jedenfalls schwierig. Der Zweiecksblick muss genügen. Die Augen, sagen Mimikexperten, lügen sowieso weniger als ein Mund, der unter Umständen auch lächelt, wenn man seinem Chef beim Gardinenpredigen zuhört. Ob jemand aus ehrlichem Herzen lächelt oder aus  Selbsterhaltungstrieb, könne man an den Augen erkennen. Augenfältchen müssten sich bilden. Wenn die Haut um die Augen glatt bleibt, ist das Lächeln so ehrlich gemeint wie das "Ich ruf dich an" eines One-Night-Stands. Von muskelein frierenden Anti-Aging-Maßnahmen während der Mund-Nasen-Schutz-Zeit raten Mimikexperten deshalb ab. Obwohl sich möglicherweise darüber streiten lässt, ob ein ehrliches Lächeln die Partner-Chancen mehr erhöht, als sie durch allzu üppige Krähenfüße  wieder geschmälert werden. Bei einer Geschäftspartnerschaft, würde ich sagen, ist das ehrliche Lächeln wichtiger. Apropos: Innere Werte. Am besten, hat eine Studie ergeben, erkenne man die Gefühle des Gegenübers an seiner Stimme. Das spricht eigentlich für  Telefon... äh ... flirts.

("Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 13. 11. 2020)