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Zweite Herzoperation nach Weltcup-Comeback

GEPA pictures/ Patrick Steiner
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Bernhard Gruber, 38, erlebte bei seiner Rückkehr ins Weltcupgeschehen dramatische Augenblicke. Erst lief er im Team-Bewerb in Lahti in die Top 6, dann klagte er erneut über Brustschmerzen. Die Ärzte setzten zwei Stents.

Lahti. Seine Geschichte klang märchenhaft, vor allem deshalb, weil sie der Nordische Kombinierer Bernhard Gruber auch so emotional und unbekümmert erzählte. Ihr Ausgang jetzt ist immens bitter für den 38-jährigen Salzburger, weil er so für seinen Sport lebt.

Im März 2020 wurden dem Weltmeister von 2015 nach Verengungen der Herzkranzgefäße zwei Stents gesetzt. Gruber pausierte, begann unter ärztlicher Aufsicht wieder zu trainieren – und kämpfte sich ins ÖSV-Team zurück. In Ramsau gelang die Weltcup-Rückkehr im Dezember noch nicht, doch jetzt in Lahti war es soweit. Auch der erste Bewerb verlief traumhaft: Gruber und Mario Seidl führten nach dem Springen und wurden im Team-Bewerb Sechste.

Dann nahm das Drama seinen Lauf. Gruber klagte beim Auslaufen über Brustschmerzen. Nach der Erstdiagnostik vor Ort durch Sanitäter und die ÖSV-Teamärztin wurde im Spital von Lahti erneut ein Teilverschluss eines Herzkranzgefäßes festgestellt. 10 Monate nach seiner ersten Herzoperation wurden Gruber zwei weitere Stents eingesetzt. „Er ist in guter Verfassung und muss einige Tage im Spital bleiben“, so Teamärztin Ines Berger-Uckermann.

Freigabe der Ärzte war da

Der Bad Hofgasteiner hatte mit dem Gedanken gespielt, sagte er der „Presse am Sonntag“ noch vor wenigen Wochen, auch bei der WM in Oberstdorf (ab 23. Februar) zu starten. Das war sein Wunschtraum, aber da jede Medaille eine Kehrseite hat, waren Überlegungen längst angestellt mit seiner Frau, sollte es mit dem Sport nicht mehr klappen. Im Nachwuchsbereich arbeiten, Motivation geben, im sportwissenschaftlichen Bereich arbeiten. Der leidenschaftliche Musiker („Als Gitarrist kannst ned leben“) hatte es zwar rationell betrachtet, die Wirklichkeit kann manchmal aber noch härter eintreffen als man glauben möchte.

Gab es aber Risiken oder Befürchtungen, die Gruber im Hochleistungssport in Gefahr sahen? Anfang November gab man ihm seitens des ÖSV nach umfangreichen Checks die medizinische Freigabe. Gruber wusste das auch richtig einzustufen, er sprach von „step by step“. Es überwog die Freude, das hörte man aus jedem seiner Worte heraus, „dass das Herz so gut läuft.“

Der Quell allen Übels ist eine genetische Vererbung, die schon 2019 und 2020 bei Tests oder EKG-Kurven nicht aufgefallen war: familiäre Hypercholesterinämie. Sie führt zu Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße, sogar bis zum Infarkt.

Jetzt muss Gruber, der vierfache Olympia- und achtfache WM-Medaillen-Gewinner, vor allem zweifache Familienvater gesund werden, sagt ÖSV-Direktor Mario Stecher und sprach vom „Glück im Unglück“. Und er müsse die finale „Entscheidung“ verkünden. (fin)