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Streaming

"Losing Alice": Hier kommt der Teufel als Frau

Regisseurin Alice (Ayelet Zurer) dreht einen Film, in dem eine junge Frau in diesem Zimmer Suizid begeht. Bald ist nicht sicher, was real ist und was Fantasie.Apple TV+
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In der Thriller-Serie „Losing Alice“ auf Apple-TV nistet sich eine junge Frau im Leben einer Regisseurin ein. Es geht um Obsession, Eifersucht und düstere Prophezeiungen.

Alice ist Mitte vierzig, hat süße Kinder, einen tollen Körper, ein schönes Haus und einen erfolgreichen Schauspieler-Ehemann, der trotz einschlägiger Angebote am Set jeder Versuchung widersteht. Alles gut. Aber nicht genug für die einst erfolgreiche Regisseurin (Ayelet Zurer), die jetzt Werbespots für Joghurt dreht und deren kreative Energie irgendwo auf dem ausgetretenen Weg zwischen Volksschule und Schnitzelbraten vertrocknet ist. Alice ist unglücklich, auch wenn sie es sich nicht eingesteht – bis sie im Zug einer jungen Frau begegnet: der verführerischen Sophie (Lihi Kornowski), die sich mit Charme und Distanzlosigkeit in ihr Leben drängt.

Die frustrierte Alice ist ein leichtes Opfer für Sophies Verführungen und gewährt ihr widerstandslos Zutritt zu ihrem Privat- und Seelenleben. Sie ist überwältigt von ihrer neuen Freundin, die sie zum Gaga-Tanzen und zu Bootsfahrten mitnimmt. Sophie wird zur Obsession, sie weckt in ihr viele Begehren – nach Freiheit, beruflichem Erfolg und sexuellen Abenteuern. Doch hinter Sophies Lächeln schimmert etwas Diabolisches . . .
Beim Serien-Festival in Cannes wurde „Losing Alice“ als „faustianisch“ beschrieben. Einmal wird Alice beschimpft: „Sie arbeiten für den Satan!“ Doch sie und ihr Mann David (Gal Toren) sehen das Teuflische in Sophie nicht. Und während die beiden versuchen, die Ratten im Haus loszuwerden, nistet sich diese Frau in ihrem Leben ein wie ein zerstörerischer Parasit.

Der Film im Film: „Ziemlich pervers“

Die israelische Serie „Losing Alice“ von Sigal Avin (Drehbuch und Regie), zu sehen auf Apple-TV+, ist ein gelungener Psychothriller mit exzellent gewählten Schauplätzen und einer das subkutane Unbehagen verstärkenden Kameraführung. Die Spannung nährt sich aus einer geschickten Montage von Ein-, Rück- und Vorblenden. Was ist wahr? Was Alices Fantasie? Oder sind es Ausschnitte aus dem Film, um den sich die Geschichte dreht? Sophie hat ihn geschrieben – und wünscht sich David als Hauptdarsteller. Er findet den Plot „seltsam“ und „ziemlich pervers“: „Es geht um eine junge Frau, die ein SM-Verhältnis mit dem Vater ihrer Freundin anfängt – alles spitzt sich zu, bis jemand stirbt.“ Gleich zu Beginn von „Losing Alice“ sieht man es: Eine junge Frau setzt sich auf das Bett ihres Vaters, nimmt eine Pistole in den Mund und drückt ab. „Ist das eine wahre Geschichte?“, fragt sich Alice, die zu der Zeit noch nicht weiß, dass Sophie sie längst als Regisseurin auserkoren hat. „Es ist schwer, etwas so Verrücktes zu erfinden.“

Mit dem gemeinsamen Projekt sät Sophie Eifersucht, Zweifel und Streit zwischen den Eheleuten. Man ahnt, es wird noch schlimmer kommen. „Sie wird dir alles nehmen, was du hast“, prophezeit eine Fremde Alice. Oder bildet sie sich das nur ein?