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Pandemie

Russlands Triumph und Versagen in der Coronakrise

Im Nobelkaufhaus GUM warten Menschen vor einem mobilen Impfpunkt auf die Sputnik-Spritze.(c) APA/AFP/NATALIA KOLESNIKOVA (NATALIA KOLESNIKOVA)
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International reüssiert der Kreml mit dem Impfstoff Sputnik. Doch in der Coronakrise hat der russische Staat die eigene Bevölkerung nicht geschützt. Neue Daten zur Übersterblichkeit zeichnen ein grimmiges Bild.

In der Moskauer Metro herrscht ein Gewusel wie eh und je. Zu den Stoßzeiten bilden sich vor den steil hinabführenden Rolltreppen Menschentrauben. Auf dem Bahnsteig ist es unmöglich, die geforderte Distanz von eineinhalb Metern einzuhalten. Und in den Waggons stehen die Passagiere dicht gedrängt.

Seit Bürgermeister Sergej Sobjanin die Corona-Einschränkungen weiter gelockert hat, darunter die Home Office-Pflicht von mindestens einem Drittel der Beschäftigten, müssen die meisten Arbeitnehmer wieder ins Büro. Eine Durchsage ermuntert die Moskauer zur Covid-Impfung: „Die Impfung ist wichtig für jeden“, sagt die männliche Stimme und rät zur Terminvereinbarung auf der Webseite der Stadtregierung, wo man sich für die kostenlose Immunisierung mit dem russischen Vakzin Sputnik anmelden kann.

Im Februar 2021, ein knappes Jahr nach der ersten bestätigten Covid-Infektion auf russischem Boden, herrscht in Russland weitgehend Normalität. Restaurants und Bars sind voll, Theater und Kinos laden zu Vorstellungen, Fitnesscenter und Hotels haben geöffnet. In Russland sind so gut wie keine Corona-Einschränkungen mehr in Kraft. (Demonstrationen werden allerdings mit Verweis auf die epidemologische Lage fast nie genehmigt.) Das Virus bestimmt, anders als im Großteil Europas, nicht die täglichen Debatten. Spricht man mit Bürgern, so sind viele in einer Art Selbstdiagnose überzeugt, dass sie Covid-19 bereits hatten. Den meisten reicht diese Vermutung.