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Glosse

Über Frauen, Männer und die Eigenverantwortung

Wie sollen die Aufgaben in der Familie verteilt werden? Eine wichtige Frage - über die sich Frauen und Männer austauschen sollten.APA/dpa/Julian Stratenschulte
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Wenn es ums Thema Gleichstellung geht, kann die Politik nicht alles lösen. Immer wieder aufs Neue sollte man sich fragen: Wie wollen wir Frauen und Männer eigentlich miteinander leben?

Am heutigen Frauentag (und hoffentlich nicht nur an diesem) wird viel über die großen politischen Fragen zu Gleichberechtigung und Chancengleichheit diskutiert. Das ist gut so. Doch Frauen und Männer, denen die Themen am Herzen liegen, sollten auch nicht die vielen anderen, vermeintlich kleinen, Fragen vergessen. Eine Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Was erwarte ich mir von einem Partner, einer Partnerin? Was ist im Haushalt Frauensache, was Männersache? Wer zahlt, wer putzt, wer repariert, wer kocht, wer plant was? Was traue ich meinem Gegenüber zu, was nicht – und in welchen Bereichen bin ich von ihm oder ihr abhängig? Wollen wir das wirklich so? Und: Haben wir jemals offen darüber geredet?

Wann ist eine Frau für mich eine „gute Mutter“? Wann ein Mann ein „guter Vater“? Was leben wir den jungen Mädchen vor, was den Burschen? Welches Spielzeug bekommen sie? Wie oft müssen die Töchter im Haushalt helfen, wie oft die Söhne? Wie oft hören sie Sprüche wie „Sei doch ein Mann!“, „Wehr dich!“ oder „Du stellst dich ja an wie ein Mädchen!“?

Oder am Arbeitsplatz: Wie oft spreche ich über das Aussehen meiner Kolleginnen, wie oft über ihre Kompetenzen? Wie verhalte ich mich bei einem sexistischen Kommentar? Wie oft unterstelle ich erfolgreichen Frauen, dass sie nur mit den „Waffen einer Frau“ Karriere gemacht haben? Wie oft lache ich über Kollegen, die angeblich „unter der Fuchtel“ einer Frau stehen? Wen unterstütze, wen fördere ich?

Manchmal ist es bequem, „die Gesellschaft“ oder „die Politik“ für alles verantwortlich zu machen. Natürlich gibt es noch viel zu tun. Aber ohne Eigenverantwortung wird das nichts. Nicht nur in der Coronakrise, sondern auch, wenn es um echte Gleichstellung von Frauen und Männern geht.