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Amanshausers Album

Von Prognosen, Realitäten und Unwägbarkeiten

Was prognostiziert wird und was tatsächlich eintritt, ist nicht immer das Gleiche. Unwägbarkeiten grätschen mitunter durch die Zukunftsforschung.
Was prognostiziert wird und was tatsächlich eintritt, ist nicht immer das Gleiche. Unwägbarkeiten grätschen mitunter durch die Zukunftsforschung.beigestellt
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Zukunftsforschung zapft Anglizismusfabriken an und scheut Wissenschaftsmethodik.

Mein Liebling ist ein 1955 geborener Medienprophet namens Horx. Vor 20 Jahren behauptete der Trend- und Zukunftsforscher, das Internet, „eine kompliziert zu bedienende Angelegenheit“, werde sich nicht so bald zum Massenmedium entwickeln, vor zehn Jahren prophezeite er das Ende von Facebook – kleine Betriebsunfälle im Geschäftsmodell. Seher meinen es prinzipiell gut mit der Zukunft, diagnostizierten während der Pandemie einen „Zuwachs an Achtsamkeit“, erlebten die Menschen als „solidarisch und konstruktiv“ – überall „öffnen sich Möglichkeitsräume“. Horx selbst hat die Krise rasch einmal als Chance begriffen – das Buch „Die Zukunft nach Corona“ entstand. Die ­„Tiefenkrise“ Corona, so eine These, ­verändere unser „Mindset“ nachhaltig. Ja eh, sehr richtig, das finde ich ebenfalls.

Die Zukunfts- und Trendforschung ­verhält sich zu den Sozialwissenschaften wie Coaching und Consulting zu Psychoanalyse. Ihre Protagonisten reüssieren zunächst auf dem Keynote-Sektor. Ihre semantische Substanz, basierend auf NLP-Slang und Modevokabeln der Populärsoziologie, beziehen sie aus hässlichen Anglizismusfabriken. Die Resultate ihrer methodologiearmen Methode hängen oft („systemische Unternehmens­beratung“) direkt an den Auftraggeber-Interessen. So erforscht das „Deutsche Zukunftsinstitut“ diverse „Trends und Megatrends“ und sieht sich als „Inspirationsquelle für Entscheider und Weiterdenker“.
Und die Zukunft der Reise? Laut der Branche wird es wenig Kreuzfahrten und wenig Après-Ski geben. Und sie prognostiziert einen Anstieg des Stellenwerts der Individualreisenden . . . Pech für diese, dass Reiseveranstalter fast nur für Pauschalreisen Corona-Stornos anbieten. Trotzdem helfen diese guten, alten Halbgurus beim Blick nach vorn – zumindest bei jenem auf die Zukunftsforschung. Ich sage voraus, dass all die Wahrsager bald auf einer Ebene mit Zukunftsversteher und Prognosengott Martin Amanshauser stehen werden. Hand in Hand, mit frisch kalibriertem Mindset, schreiten wir gemeinsam in eine Zukunft, in der sich vor unseren Augen Möglichkeitsraum um Möglichkeitsraum eröffnet.