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Studie

Schließung von MAN-Werk Steyr würde 8400 Jobs kosten

Für das MAN-Werk in Steyr gibt es mehrere Interessenten.
Für das MAN-Werk in Steyr gibt es mehrere Interessenten.APA/WERNER KERSCHBAUMMAYR
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Die Mitarbeiter stimmen am Mittwoch über ein Übernahmeangebot von Siegfried Wolf ab.

Am Mittwoch stimmt die Belegschaft des MAN-Werks in Steyr gleichsam über ihre eigene Zukunft ab: Der deutsche Mutterkonzern will den Betrieb Ende 2022 schließen, doch Unternehmer Siegfried Wolf möchte das Werk übernehmen. Er plant am Standort eine Lkw- und Busfertigung unter der Marke Steyr – allerdings nur mehr mit 1250 Mitarbeitern. Diese sollen darüber hinaus auf 15 Prozent ihrer Nettolöhne verzichten.

Keine einfache Entscheidung für die Mitarbeiter: Wolf hat ihre Zustimmung zur Bedingung gemacht. Lehnen sie ab, will der deutsche Mutterkonzern zusperren – obwohl ein oberösterreichisches Konsortium ebenfalls Interesse an einer Übernahme angemeldet hat.
Was die Schließung des Werks für die Mitarbeiter bedeuten würde, ist klar. Der Linzer Universitätsprofessor Friedrich Schneider hat in seiner Funktion als wissenschaftlicher Leiter der Initiative Wirtschaftsstandort OÖ (IWS) nun auch die volkswirtschaftlichen Konsequenzen einer Werksschließung evaluiert. Sein Fazit: Sollte das Werk geschlossen werden, würde dies zu einem Rückgang des österreichischen Bruttoinlandsprodukts von 957 Mio. Euro und einem Verlust von insgesamt 8400 Arbeitsplätzen führen. Laut Schneider würden sich die negativen Effekte zu 75 Prozent auf die Bundesländer Ober- und Niederösterreich konzentrieren.

Im MAN-Werk in Steyr arbeiten derzeit 2300 Menschen, der Umsatz betrug im Durchschnitt der Jahre 2019 und 2020 rund 1,1 Mrd. Euro. Laut Schneider erreicht der inländische Wertschöpfungsanteil im Nutzfahrzeugbau rund 66 Prozent, „da traditionell in diesem Sektor der Anteil an importierten Vorleistungen mit circa 33 Prozent hoch ist“. Damit wurden in seiner Berechnung 67 Prozent vom Jahresumsatz – also 737 Mio. Euro – wertschöpfungswirksam.

In seinem Modell hat Schneider alle Erst- und Zweitrundeneffekte berücksichtigt: Würden also bei einer Schließung des Werks 737 Mio. Euro an inländisch wirksamer Wertschöpfung entfallen, würde dies in Summe zu einem Rückgang des BIPs um 957 Mio. Euro führen.

Belegschaft unter Zeitdruck

Schneider betont somit, dass „alle Anstrengungen unternommen werden sollten, um den Fortbestand zu sichern“. Arbeiter-Betriebsrat Erich Schwarz monierte zuletzt den Zeitdruck, der auf die Belegschaft ausgeübt werde. Er hätte es vorgezogen, wenn die Deutschen zumindest die Vorschläge des zweiten Bieters aus Oberösterreich angehört hätten. Die Entscheidung am Mittwoch wird also spannend.

(kor.)