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Fahrbericht

Kia Stinger: Fahrspaß für die ganze Familie

Ein Musterbeispiel dafür, wie ein sportliches Coupé aussehen soll: Der Kia Stinger ist ein Produkt deutscher Designer und Ingenieure.
Ein Musterbeispiel dafür, wie ein sportliches Coupé aussehen soll: Der Kia Stinger ist ein Produkt deutscher Designer und Ingenieure.Die Presse/Clemens Fabry
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Kia hat den Stinger fein überarbeitet. Das sportliche Coupé gibt es jetzt nur noch in Top-Ausstattung.

Wien. Es ist fast ein wenig irritierend, wenn man in einer sportlichen Limousine Platz nimmt, und sie kommt nicht aus München, Stuttgart oder Ingolstadt. Eigentlich leisten sich nur noch die deutschen Premiumhersteller solche Autos. Und Kia. Aber den haben wir auch zwei Deutschen zu verdanken.

Peter Schreyer, von VW kommend, hat die Autos von Kia und Hyundai als Chefdesigner interessant und schön gemacht. Dass beispielsweise der Hyundai Tucson in seinem Segment hervorsticht, geht auf Schreyers Einfluss zurück (auch wenn er sich mittlerweile nicht mehr mit Einzelfahrzeugen beschäftigt). Schreyer also befand, dass der Konzern im Portfolio einen sportlichen Gran Turismo benötigt. Seinen kongenialen Partner fand er in Albert Biermann, der, bevor er zu Kia wechselte, über 30 Jahre lang für die Fahrdynamik bei den M-Modellen bei BMW zuständig war.

 

Hohe Steuern

Herausgekommen ist 2017 der Stinger, ein viertüriges Coupé. Schön, sportlich und für das, was es kann, vergleichsweise billig (vor allem im Vergleich zum Hauptkonkurrenten BMW). Es gab ihn sogar als 2,2-Liter-Diesel. Aber die Käufer wollen das Auto auch so fahren, wie es aussieht. Vom Dieselmodell verkauften sich in Österreich 2019 weniger Stück (sieben), als vom Bentley Bentayga V8.

(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Und deswegen bietet ihn Kia für 2021 nicht mehr an. Auch nicht mehr das schwächere Benzinmodell. Den Stinger gibt es nur noch als voll ausgestattetes GT-Modell mit 3,3-Liter-V6-Benzinmotor und stark hinterachslastigem Allradantrieb. Mit den günstigen Einstiegspreisen ist es damit leider vorbei. Startpreis: 70.990 Euro. Geschuldet ist das vor allem den hohen Steuern in Österreich, in Deutschland beginnt der 3,3-Liter-V6 AWD bei 57.900 Euro. Teurer kann man bei uns nicht Kia-fahren, aber beispielsweise schon recht akzeptabel BMW (wenn auch nicht ganz so gut ausgestattet).

Für das Geld bietet Kia jede Menge Fahrspaß, an der die ganze Familie partizipieren kann, wie bei einer längeren Lockdown-Ausfahrt zur psychischen Erholung im großen Kreis rund um Wien. Den Sportmodus spürt man, sobald man ihn aktiviert: seitliche Luftpolster der ohnehin schon sportlichen Sitze blasen sich auf und legen sich eng um den Fahrer, damit man noch mehr Halt hat. Zweiter Effekt: Die 366 PS des Sechszylinders lassen sich spontaner abrufen als im Comfort-Modus (es empfiehlt sich dennoch, die Drehzahl im mittleren Bereich zu halten) und die Achtgangautomatik schaltet später. Sofern man ihr das überlässt, man kann auch die Wippen am Lenkrad nützen.

Die Presse/Clemens Fabry

Die Überarbeitung, die Kia dem Stinger angedeihen ließ, sieht man mehr innen als außen. Hinten gibt es jetzt das derzeit so beliebte, durchgehende Lichtband, vorn neue LED-Scheinwerfer. Geblieben sind unter anderem die gut aussehenden, aber unechten Lufteinlässe auf der Motorhaube.

Innen also – da dominiert nun Nappaleder, die Musik klingt aus 15 Harman/Kardon-Lautsprechern, es gibt einen 10,2-Zoll-Touchscreen und technisch alle Raffinessen, die der Konzern aktuell zu bieten hat. Unsere liebste: Der Totwinkel-Assistent in Form eines Videobilds, das beim Blinken in das Farbdisplay zwischen den analogen Rundinstrumenten des Cockpits eingeblendet wird.

Auch nett: Der intelligente Geschwindigkeitsassistent, der ein ausgeschildertes Tempolimit erkennt und automatisch die Geschwindigkeit anpasst. Lediglich ein Mal hat das System ein Tempolimit nur für Lkw übernommen.

Im Test blieben unterm Strich trotz beherzter Ausflüge ein Verbrauch von elf Liter auf 100 Kilometer. Und fast ein wenig ein sentimentales Gefühl, weil die Zukunft des Kia Stinger eher unsicher scheint.

Compliance-Hinweis:
Die Reisen zu Produktpräsentationen wurden von den Herstellern unterstützt. Testfahrzeuge wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt.

KIA STINGER GT

Maße: L/B/H: 4830/1870/1400mm; Radstand: 2905 mm; Leergewicht: 1858 kg; Kofferraumvolumen: 406 bis 1114 Liter.

Antrieb: V-Sechszylinder Benzinmotor; Hubraum: 3342 ccm; max Leistung: 366 PS/269 kW bei 6000 U/min; max. Drehmoment: 510 Nm; 0-100 km/h: 5,4 Sekunden; Vmax: 270 km/h.

Verbrauch: 10,9 Liter/100 km; CO2: 247 g/km, Testverbrauch: 11 Liter/100 km.Preis: ab 70.990 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2021)