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Die Ich-Pleite

Experimentierfreudiges Haare färben zu Hause

Carolina Frank
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Ich habe zu einem Superaufhellungsprodukt gegriffen, das einem ein kühles Weißblond à la Annie Lennox verspricht

Frisurproblem, Teil zwei. Ich hätte die Lockdownzeit auch, wie viele meiner Freundinnen, dazu nützen können, zu einem besseren Selbst zu finden. Bei achtsamen Waldspaziergängen zum Beispiel. Oder indem ich meine Kreativität entdecke. Viele haben deshalb zum Schreiben begonnen. Aber ich habe die Zeit genutzt, um zu einem schlechteren Selbst zu finden. Zumindest aussehensmäßig. Vielleicht habe ich aus Langeweile zu viel in den Spiegel geschaut, oder es liegt daran, dass der Drogeriemarkt eines der wenigen Ausflugsziele ist. Ich wollte blond werden. Das finden sogar manche Friseurinnen nicht einfach, wenn man eigentlich dunkelhaarig ist. Und man begegnet auch immer wieder Beispielen, denen es offenbar nicht gelungen ist. Aber ich finde, man soll sich seine Ziele hochstecken. Das machen meine schreibenden Freundinnen ja auch.

Deshalb habe ich zu einem Superaufhellungsprodukt gegriffen, das einem ein kühles Weißblond à la Annie Lennox verspricht. Immerhin hat der Aufheller bei mir ja nicht mehr so viel Arbeit, wo sich doch schon ein bisschen Friedhofsblond ins Dunkel gemischt hat. Nach dem ersten Färbevorgang hatte ich tatsächlich die Haarfarbe einer britischen Punklady, aber nicht die von Annie Lennox, sondern die von Vivienne Westwood. Eigentlich hätte ich auch als Zimmerbeleuchtung fungieren können. Also habe ich noch einmal gefärbt. Man kann ja nicht auf halbem Weg aufgeben. Und dann habe ich noch einmal gefärbt, weil nach zwei Dritteln kann man auch nicht aufgeben. Und noch einmal, weil nach vier Fünfteln erst recht nicht. Dann wusste ich: Wenn ich die Haare noch einmal färbe, töte ich sie. Und ich habe sie noch einmal gefärbt. Jetzt ist das Vivienne-Westwood-Hafte weg. Und die Haare auch.