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Übergriffe

Missbrauch in SOS-Kinderdörfern: Klasnic verspricht rasche Aufklärung

Waltraud Klasnic
Waltraud KlasnicKatharina F.-Roßboth
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SOS-Kinderdorf gesteht ein, dass es in Einrichtungen in Afrika und Asien zu Gewalt gekommen sei. Waltraud Klasnic prüft nun die Fälle. Die Grundregeln der Organisation müssten in allen SOS-Kinderdorf-Einrichtungen weltweit eingehalten werden, sagt sie zur „Presse“.

Die Organisation ist weltweit im Einsatz, betreibt unzählige Einrichtungen für Kinder und Jugendliche in Afrika, Asien, Amerika und Europa. Auch in Konfliktgebieten, wie zuletzt in der nordäthiopischen Region Tigray, versucht SOS Kinderdorf zu helfen. Am Donnerstag musste die Organisation aber mit einer schockierenden Nachricht an die Öffentlichkeit treten: SOS-Kinderdorf-Geschäftsführerin Elisabeth Hauser berichtete bei einem Medientermin mit der Austria Presse Agentur (APA) und Ö1 von „schwerem Fehlverhalten von Mitarbeitern“.
In Einrichtungen der Organisation in Afrika und Asien sei Kindern „Gewalt angetan worden – bis hin zu sexuellem Missbrauch“, wird Hauser von der APA zitiert. Als ein Beispiel nennt sie etwa, dass ein Kind, dessen Leistungen sich in der Schule verschlechtert hätten, eingesperrt worden sei. Es habe die eigenen Eltern nicht mehr besuchen dürfen.
Wie hoch die Zahl der Opfer genau ist, konnte SOS-Kinderdorf zunächst nicht bekannt geben. „Es handelt sich um einzelne Fälle in Ländern in Afrika und Asien. Es kann im Moment keine genaue Zahl genannt werden“, hieß es auf Anfrage der „Presse“. Und weiter: „Eine genauere Angabe, in welchen Ländern es zu welchem Fehlverhalten gekommen ist“, sei ebenfalls „aktuell nicht möglich“. SOS-Kinderdorf nehme „alle Formen von Fehlverhalten sehr ernst und wird diese aufarbeiten“.

Veruntreuung von Geld

Grundsätzlich sei es zu diversem Fehlverhalten in rund 20 Ländern gekommen. Dabei gehe es aber nicht immer um Missbrauch, sondern auch um andere Probleme. So sollen Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf International etwa Geld veruntreut und bei Vergabeverfahren Bauprojekte bei Verwandten in Auftrag gegeben haben. „Wir werden das prüfen, ob österreichische Spendengelder veruntreut wurden“, sagte Hauser.
Für Aufklärung soll nun die ehemalige steirische Landeshauptfrau, Waltraud Klasnic, sorgen. Klasnic leitet unter anderem die Opferschutzkommission, die sich mit der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in Österreichs katholischer Kirche beschäftigt.
„Die Geschäftsführung von SOS-Kinderdorf ist vergangene Woche an mich herangetreten und hat gefragt, ob ich bereit bin, die Kommission zur Aufklärung der Vorwürfe zu leiten“, berichtet Klasnic im Gespräch mit der „Presse“. Sie werde nun in den nächsten Tagen Gespräche mit Experten führen, um ein Team zusammenzustellen. Das soll dann kommende Woche präsentiert werden.
Da die Verdachtsfälle von Gewalt und Missbrauch in Einrichtungen in Afrika und Asien vorgefallen sind, wird auch eine international tätige Anwaltskanzlei hinzugezogen. „Es gibt dabei keinen Fall aus Österreich“, sagt Klasnic. Die Aufklärung der Verwürfe sei jedenfalls „eine Aufgabe, die rasch angegangen werden muss“. Die Ergebnisse der Untersuchungen ihres Teams will Klasnic im zweiten Halbjahr 2022 vorlegen.
„SOS-Kinderdorf ist eine Marke in Österreich“, sagt Klasnic. „Die Grundregeln dieser Organisation müssen deshalb in allen SOS-Kinderdorf-Einrichtungen weltweit gelten und gelebt werden.“
Die Organisation hat auch bereits einen Fonds für die Opfer der Übergriffe eingerichtet. Das sei eine Hilfestellung, sagt Klasnic. „Denn entschädigen kann man das Leid der Kinder nicht.“
Auch Klasnic wollte keine Zahl von Betroffenen nennen. Das könne man erst nach genauer Prüfung der Berichte sagen. Die Fälle würden jedenfalls bis in die 1990er-Jahre zurückreichen.

Vorwürfe früherer Bewohner

Und warum ging man damit jetzt an die Öffentlichkeit? Laut SOS-Kinderdorf laufen die internen Untersuchungen schon länger. „Es gab in der Vergangenheit verschiedene Verdachtsmomente – etwa Vorwürfe von ehemaligen Bewohnerinnen oder Bewohnern verschiedener SOS-Kinderdörfer. Das führte zu internen Untersuchungen“, heißt es dazu auf Anfrage der „Presse“.