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5 Fragen an die ÖH-Spitzenkandidaten

Macht Studieren in Österreich keinen Spaß?

Sara Velić (VSStÖ) will die in der UG-Novelle fixierte Mindeststudienleistung verhindern.
Sara Velić (VSStÖ) will die in der UG-Novelle fixierte Mindeststudienleistung verhindern.(c) Clemens Fabry/Die Presse
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Sara Velić kämpft für den Verband Sozialistischer Studierender (VSStÖ) um Stimmen bei der ÖH-Wahl. Sie will die Studiengebühren abschaffen und eine Mindeststudienleistung verhindern. Dafür soll Psychotherapie für Studierende künftig gratis sein.

1. Der VSStÖ fordert im Wahlprogramm die Abschaffung  von Studiengebühren und eine bessere soziale Absicherung, „damit sich niemand mehr zwischen einem warmen Essen und Studieren entscheiden muss“. Kennst du tatsächlich solche Fälle?

Sara Velić: Die Formulierung ist vielleicht ein bisschen überspitzt, aber ja, ich kenne Studierende, die sich zwischen Studium und einem Job entscheiden mussten, weil beides momentan nicht so gut vereinbar ist. Studieren ist nicht so gratis, wie manche behaupten. Da gibt es viele Schritte, die man jetzt setzen muss, damit man nicht gezwungen ist, eine Entscheidung zwischen Studium und Job zu treffen.

2. „Das Leben ist zu kurz für ein Scheiß-Studium“, steht auf den VSStÖ-Plakaten, du selbst schreibst auf Twitter, Studieren bringe weder Erfolg noch mache es Spaß. Ist es wirklich so schlimm, Student zu sein?

Studieren ist während Corona wirklich kein Spaß. Wir sind die, die als Allererstes ins Distance Learning geschickt wurden, und sitzen am längsten zu Hause. Wir müssen die technische Ausstattung finanzieren, und das, obwohl wir, wie alle anderen auch, unsere Jobs verloren haben. Es ist sehr frustrierend, zu sehen, dass sich die Regierung nicht darum kümmert, dass wir auch ein soziales Auffangnetz haben. Es ist deshalb wichtig, dass wir laut und kritisch sind und überspitzt formulieren, damit die Regierung endlich handelt.

Sara Velić beim Interview am Uni Campus im Alten AKH in Wien.
Sara Velić beim Interview am Uni Campus im Alten AKH in Wien.(c) Julia Neuhauser

3. Der VSStÖ übt heftige Kritik an der Mindeststudienleistung von 16 ECTS-Punkten in den ersten beiden Studienjahren, die nun fixiert wurde. Würde man in diesem Tempo studieren, wäre man nach 40 Semestern mit dem Bachelor fertig. Ist eine so geringe Mindestleistung immer noch zu viel?

Jeder ECTS-Punkt ist da zu viel. Das ist eine Prinzipienfrage. Wir sind jetzt schon mit viel Leistungsdruck konfrontiert. Während einer Pandemie eine Mindeststudienleistung zu fixieren, fühlt sich an, als wäre man im falschen Film.

Die entsprechende Novelle des Universitätsgesetz wurde aufgrund der breiten Kritik bereits abgeändert, ursprünglich waren 24 ECTS-Punkte in den ersten beiden Jahren geplant. Sie soll auch erst 2022/23 in Kraft treten.
Das ist keine angebrachte politische Maßnahme während einer Pandemie. Die Mindeststudienleistung ist eine verlängerte Form von Zugangsbeschränkung. Deshalb werden wir dafür eintreten, dass sie niemals in Kraft tritt.

4. Der VSStÖ fordert neben einem Teilzeitstudium und einem Digitalisierungsbonus auch den kostenlosen Zugang für Studierende zu Psychotherapie. Geht es den Studierenden wirklich so schlecht?

Schon vor der Pandemie sind wir in dem Hochschulsystem kontinuierlich unter Leistungsdruck gesetzt worden. Das laugt aus. Während der Pandemie wurde das Thema zum Glück salonfähig, aber das reicht uns nicht. Ein wenig Self Care wird diese Wunden nicht wieder heilen. Wir brauchen die Möglichkeit, die Notbremse zu ziehen und Hilfe zu bekommen, wenn wir an unsere Grenzen stoßen.

5. Seit dem Bruch der Koalition zwischen VSStÖ, Gras und FLÖ amtiert mit Sabine Hanger die erste nicht linke ÖH-Bundesvorsitzende seit zwölf Jahren. Wie hoch stehen die Chancen, dass man nach der Wahl wieder koaliert?

Wir sind mit allen Fraktionen, außer dem RFS, bereit eine Koalition zu starten. Für uns ist die Grundvoraussetzung, dass wir unser Wahlprogramm von A bis Z umsetzen können.

Es gibt demnach keine Gräben zwischen Gras und VSStÖ, die man zuvor noch zuschütten müsste?
Nein.

Zur Person

Die gebürtige Vorarlbergerin Sara Velić (21) tritt bei der ÖH-Wahl als bundesweite Spitzenkandidatin des Verband Sozialisitischer Student_innen in Österreich (VSStÖ) an.