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Die Ich-Pleite

Wie ein Park beschallt wird

Carolina Frank
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Neulich habe ich mich beim Geschäftsführer eines Pop-up-Lokals im Wiener Augarten wegen der Rund-um-die-Uhr-Musikbeschallung des Parks und meiner Wohnung beschwert.

Früher habe ich mich nie wegen etwas beschwert. Denn abgesehen von Schüchternheit und Bequemlichkeit war ich davon überzeugt, dass es sowieso nichts nützt. Aber jetzt weiß ich: Das stimmt nicht! Man muss es nur tun. Als ich mich neulich beim Geschäftsführer eines Pop-up-Lokals im Wiener Augarten wegen der Rund-um-die-Uhr-Musikbeschallung des Parks und meiner Wohnung beschwerte, hat er sich sehr freundlich bedankt und versprochen, dass die Musik leiser wird. Und es ist tatsächlich passiert! Allerdings nur für einen Abend. Am nächsten Tag ist das Beschallen weitergegangen. Zwar nicht so laut wie am Ballermannstrand, aber schon so, als müsste man ein paar Tausend tanzwütige Jugendliche erreichen. Also schreibe ich noch ein E-Mail. Vielleicht könnte man wenigstens die Bässe zurückdrehen? "Aber selbstverständlich!", schreibt der Geschäftsführer zurück. Er werde sich sofort darum kümmern. Aber da dürfte es ein Kommunikationspro blem zwischen ihm und seinen Angestellten gegeben haben. Denn drei Tage später ist das Wummern wieder da.

Ich könnte mir natürlich eine Wohnung in einer ruhigeren Gegend suchen. Vielleicht am Gürtel. Aber dann schreibe ich dem Geschäftsführer doch noch einmal. Und ich werde für die Hartnäckigkeit belohnt. Denn seit einer Woche ist die Musik wirklich leiser. Nur mehr wie Musikbeschallung im Kaufhaus. Jetzt hoffe ich, dass der Betreiber des Pop-up-Lokals eines Tages kurz vor dem Aufdrehen der Lautsprecher einen Vogel zwitschern hört und sich denkt: "Eigentlich schade, wenn ein Park extra beschallt wird, wo man doch weiß, dass das Lieblingsgeräusch des Menschen Vogelgezwitscher ist." Gefolgt von der Stimme des Partners und dem Rauschen des Windes in Bäumen.