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Randerscheinung

Notenschluss und das süße Nichtstun

Carolina Frank
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Ich habe leider keinen Notenschluss. Also weder Noten noch Schluss. Ich absolviere mein Programm in mundgerechten Ein-Tages-Portionen.

So lang ist so viel von diesem Sommer gesprochen worden, dass ich, jetzt, wo er tatsächlich da ist, fast überrumpelt bin. Doppelt gleich. Vom Sommerwetter und den Ferien vor der Tür. Die Buben hatten diese Woche Notenschluss. Der Jüngste den echten, bei dem die abschließende Testhektik, das eilige Hefteauffrisieren und das Nachbringen von allem möglichen Versäumten mit einer einzigen Konferenz im Lehrerzimmer einer zweiwöchigen Eingewöhnungsphase zum neunwöchigen Nichtstun weicht. Das fühlt sich heuer nur alles ganz anders an, weil man den Eindruck hatte, es geht gerade erst wieder richtig los. Super ist es trotzdem. Die beiden Großen haben große Prüfungen gehabt (ich weiß noch nicht, ob es geklappt hat), die darüber entscheiden, ob in diesem Semester etwas weitergegangen sein wird. Auch hier: Egal, wie es auch ausgeht, auf das Unglaubliche-Stoffmengen-ins-Hirn-Schaufeln folgt mit einem Schlag das süße Überhaupt-nichts-Tun.

Ich habe leider keinen Notenschluss. Also weder Noten noch Schluss. Ich absolviere mein Programm in mundgerechten Ein-Tages-Portionen. Der Vorteil: Man überisst sich nicht, und es geht sich immer alles gut aus. Der Nachteil: Man überisst sich nicht, und es geht sich immer alles gut aus. Ja, der Berufsalltag ist in allem das Gegenstück zum entgrenzten Konzept der großen Ferien. Die Sehnsucht danach führt zu Bildungskarenzen und Sabbaticals. Im besten Fall. Ich nasche, was meine Bildung angeht, lieber (natürlich häppchenweise) bei den Buben mit. Und bin erstaunt, wie vieles, über das ich sogar staalich geprüft bin, ich gar nicht weiß. Und bin heilfroh, dass ich nicht mehr zu Prüfungen gehen muss, an deren Ende eine Note steht. Dafür habe ich auch keine Sommerferien. Ich werde einfach auch da mitnaschen.