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Olympia

Transgender-Gewichtheberin Hubbard bei Fischers Debüt im Blickpunkt

Laurel Hubbard geht für Neuseeland beim Gewichtheben an den Start.
Laurel Hubbard geht für Neuseeland beim Gewichtheben an den Start.APA/AFP/ADRIAN DENNIS
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Die Neuseeländerin konkurriert in der Klasse über 87 Kilogramm mit der Österreicherin und ist die erste olympische Trans-Athletin. Dass sie transgender ist, sorgt für Fairness-Debatten. Das IOC hat den Weg für Transgender-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer schon vor Jahren geebnet.

Gewichtheberin Laurel Hubbard wird am Montag bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio in der Frauen-Klasse über 87 kg im Blickpunkt stehen. Die 43-Jährige ist Konkurrentin der Niederösterreicherin Sarah Fischer, obwohl sie ihre ersten 35 Jahre als Mann angesehen wurde. Nun fühlt sie sich angekommen, obwohl es für die Neuseeländerin Jahrzehnte gebraucht hat. Sie ist Transgender - eine Person, die sich mit dem bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht nicht zugehörig fühlt.

Sie ist sie die erste olympische Athletin, die offen ihre Geschlechtsidentität angepasst hat. Und ihre Teilnahme sorgt auch für Streit. Für das Internationale Olympische Komitee (IOC) ist ihr Start ein Zeichen der Offenheit und Inklusion. Was aber sagt die Konkurrenz, wenn es am Montag in den Zweikampf aus Reißen und Stoßen in der Gewichtsklasse über 87 kg geht? Fischer ist primär froh, das Ticket gelöst zu haben und hat sich vor ihrem Olympia-Debüt nicht speziell zu diesem Thema geäußert.

„Wie ein schlechter Witz"

Anna van Bellinghen hingegen sehr wohl, obwohl die Belgierin im Gegensatz zu Fischer nur in der B-Gruppe der schwächeren Aktiven antreten wird. "Ich verstehe, dass für Sportbehörden nichts so einfach ist, wie dem gesunden Menschenverstand zu folgen, und dass es bei der Untersuchung eines so seltenen Phänomens viele Unwägbarkeiten gibt", sagte sie im Portal "insidethegames.com". "Aber für die Sportler fühlt sich das Ganze wie ein schlechter Witz an."

Van Bellinghen betonte, dass sie die Transgender-Gemeinschaft voll unterstütze, nicht die Identität von Athleten ablehne. "Jeder, der Gewichtheben auf hohem Niveau trainiert hat, weiß aber, dass diese besondere Situation für den Sport und die Athleten unfair ist", befand sie. Ein rechtlicher Rahmen für die Teilnahme von Transgender-Athleten sei sehr schwierig, "da es eine unendliche Vielfalt an Situationen" gebe, sagte sie weiter. Eine völlig zufriedenstellende Lösung zu finden, sei wohl unmöglich.

Das IOC schreibt vor, dass das Testosteronniveau einer zur Frau erklärten Person vor dem Wettkampf für mindestens zwölf Monate bei höchstens 10 Nanomol pro Liter Blut liegen darf. Das IOC hat den Weg für Transgender-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer schon vor Jahren geebnet. Ein neuer Rahmen für den Umgang mit Trans-Personen kommt innerhalb der nächsten zwei Monate, daran sollen sich die Einzelverbände dann orientieren.

Hubbard: „Ich bin nur ich"

Vor ihrer Geschlechtsanpassung jedenfalls hatte Hubbard 1998 eine Zweikampf-Bestleistung von 300 kg gehabt, 2019 wies sie eine Zweikampf-Bestleistung von immer noch 285 kg auf. "Laurel Hubbard ist eine Frau und hat sich unter den Bedingungen des IWF (Weltverband) qualifiziert", erklärte IOC-Chefarzt Richard Budget. "Wir müssen ihren Mut und ihre Hartnäckigkeit würdigen, dass sie tatsächlich an den Wettkämpfen teilgenommen und sich für die Spiele qualifiziert hat."

Die Aufmerksamkeit bei Hubbards erstem Olympia-Auftritt wird groß sein. Das Scheinwerferlicht sucht sie nicht, schon gar nicht möchte sie als Vorreiterin wahrgenommen werden oder irgendjemanden bekehren. "Ich glaube nicht, dass ich mutiger als andere bin", sagte Hubbard, die sich kurz vor ihrem Start noch beim IOC für dessen Engagement bedankte. "Ich bin nur ich."

(APA/dpa)